Familienunternehmen haben in aller Regel ein ausgezeichnetes Verhältnis zur Fachpresse. Hier wird über ihre Produkte, über Produktinnovationen, über Erträge, Standorterweiterungen, Markt- oder Branchengeschehen oder andere unternehmensrelevante Themen berichtet, Fachredakteur und Unternehmer stehen in engem Kontakt und informieren sich gegenseitig über aktuelle Entwicklungen. Ähnlich verhält es sich mit der Lokalpresse. Auch sie hat Interesse am Unternehmen vor Ort, wenn auch die Berichterstattung allgemeinerer Natur ist und beispielsweise Firmenjubiläen oder Personalien im Vordergrund stehen. Völlig unterrepräsentiert sind Familienunternehmen allerdings in der Berichterstattung der Tageszeitungen und in der Wirtschaftspresse. Dies ist deshalb bedenklich, weil die volkswirtschaftliche Bedeutung mittelständischer Unternehmen, die in ihrer Mehrheit vom Eigentümer geführt werden, erheblich ist. Ihr Anteil am Wirtschaftsaufkommen ist viel höher als allgemein bekannt. Hinzu kommt, daß die Bedeutung von Familienunternehmen im Rahmen der Globalisierungs- und Arbeitsplatzdebatte in Deutschland noch zunehmen wird.
Ungefähr 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Diese stellen 80 Prozent aller Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland. An der in der deutschen Wirtschaft erzielten Wertschöpfung sind Familienunternehmen mit 65 Prozent beteiligt. Von den 62 wichtigsten Erfindungen der letzten Jahre stammen 49 aus Familienunternehmen, nur 13 aus Konzernen.
Die meisten Familienunternehmen haben bisher die Presse eher gescheut; andererseits hat die Presse Familienunternehmen wenig beachtet. Nun gibt es wichtige Gründe für eine bewußte Zuwendung, für eine Öffnung des Familienunternehmens gegenüber der Öffentlichkeit: Jedes Unternehmen braucht unabhängig von seiner Größe good money, also ein standing bei seinen Banken, good people, also Attraktivität für qualifiziertes Personal, und good will, also Akzeptanz im sozio- kulturellen Umfeld.
Was ist für diese drei Ziele Voraussetzung? Das Wohlwollen der Medien, denen die öffentliche Meinung folgt. Ein weiteres Argument für Öffentlichkeitsarbeit ergibt sich aus dem Bedeutungswandel, verbunden mit einem zunehmenden Aufmerksamkeitswert, den die Familienunternehmen derzeit im Vergleich zu den industriellen Großkomplexen erfahren. Tatsächlich bestimmen überwiegend Familienunternehmen das Wirtschaftsgeschehen. In der Tat sind sie in allen Kontinenten so erfolgreich, daß Großkonzerne ihre Innovationskraft und ihren Elan kopieren. Gelobt wird ihre Innovationskraft und Flexibilität, steigendes Wirtschaftsaufkommen und Steuererträge, die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Gunst der Stunde gilt es zu nutzen, um jetzt Nachteile zu korrigieren: ordnungspolitisch, steuerrechtlich, rechtlich, betriebswirtschaftlich.
Das Bild der Wirtschaft in der Öffentlichkeit wird von einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Medientypen geprägt. Dazu gehört die akribische Börsenanalyse, die unentbehrliche Entrüstungspostille, das Regionalfernsehstudio, das Wirtschaftsmagazin, das lustvoll Mißmanagement aufspürt, oder das beliebte Massenblatt und schließlich die Nachrichtendienste. Dem einen geht man lieber aus dem Weg, mit dem anderen pflegt man das persönliche Gespräch. Vollkommenen Schutz gibt es vor keinem, und meistens kommen die Medien, wenn man sie sich am wenigsten wünscht. Diese wilde Landschaft ist keine Idylle, sie ist immer in Bewegung, unberechenbar, immer braut sich was zusammen. Man muß lernen, damit zu leben, und der wirtschaftende Bürger beginnt sich damit abzufinden, daß in der deutschen Rechtsprechung die freie Meinungsäußerung häufig Vorrang vor dem Schutz der Persönlichkeit hat.
Unternehmen begegnen den Medien mit ebenso vielfältigen Kommunikationsinstrumenten - vom Stammtisch mit dem Lokalreporter bis zur Bilanzpressekonferenz, vom Telefoninterview bis zur Betriebsbesichtigung, eingeschlossen die Pressereise ins Ausland, oder vom Werbeprospekt bis zum Geschäftsbericht. Ein Unternehmen hat mit seiner Pressearbeit schon viel erreicht, wenn ihm die Entscheidung darüber vorbehalten bleibt, mit wem es wann und worüber reden will - zugegebenermaßen ein hochgestecktes Ziel. Es kann jedoch nur erreicht werden, wenn der Familienunternehmer selbst die Initiative ergreift und behält. Und das ist zugleich oberstes Kommunikationsprinzip für den Unternehmer: initiativ sein, zuvorkommen, Präzedenzen schaffen, Themen besetzen - und nicht erst warten, bis man auf den good will der anderen Seite angewiesen ist.