Kommunikation: Die Kunst des Verdrehens
Normalerweise bekomme ich meine Informationen von Leuten, die anderen versprochen haben, sie geheimzuhalten. - Walter Winchell
Wer einem Diener Geheimnisse anvertraut, macht ihn zum Herren.
John Dryden
Es wurde schon erwähnt, daß jedes Unternehmen über eine inoffizielle und trotzdem erstaunlich wirkungsvolle Kommunikationsmethode verfügt, die unabhängig von allen technischen Fortschritten funktioniert ... die Gerüchteküche. Einfach ausgedrückt: Hier werden Informationen von Mensch zu Mensch weitergegeben. Bei den Geschwindigkeiten, die dank Telefon und E-Mail möglich sind, kann sich heutzutage ein gut plaziertes Gerücht binnen kurzem so schnell wie eine ansteckende Krankheit ausbreiten.
Die Gerüchteküche gehört zu den schärfsten Waffen eines Bürokriegers und dies in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal findet er dort Informationen, die nicht allgemein zugänglich sind. Der Grund dafür ist einfach: Einige Köche der Gerüchteküche verfügen aufgrund ihrer Position über Informationen, die nicht zur Weiterverbreitung gedacht sind. So hat eine Sekretärin, die eine Liste der Opfer der nächsten Entlassungswelle tippt, beträchtlichen Einfluß auf die Gerüchteküche. Unter dem Aspekt der Informationsbeschaffung ist die Gerüchteküche oft effektiver als jede andere Methode. Wer Beweise aus verschiedenen Quellen zusammentragen kann, die sich gegenseitig erhärten, kommt zu stichhaltigeren Schlußfolgerungen als jemand, der völlig auf sich alleine gestellt ist.
Außerdem werden in der Gerüchteküche Informationen oft schneller als über die offiziellen Kommunikationskanäle verbreitet. Eine Mitteilung über Beförderungen benötigt einen oder zwei - oder sogar noch mehr - Tage, bis sie das interne Postsystem durchlaufen hat. Dieselben Informationen können jedoch im selben Unternehmen innerhalb von Stunden oder sogar Minuten verbreitet werden, sei es in persönlichen Gesprächen oder über Telefon oder E-Mail.
Aus der Perspektive der Büropolitik spielt die Gerüchteküche eine immens wichtige Rolle. Hier können Sie sich die meisten Informationen besorgen, die Sie benötigen. Auch umgekehrt eröffnen sich Chancen: Durch Gerüchte können Sie auch Einfluß darauf nehmen, wie man Sie wahrnimmt. Mit anderen Worten: Sie können Ihr Image formen und Ihre - angeblichen - Meinungen über wichtige Angelegenheiten in Umlauf bringen, die Ihre politische Strategie und Taktik betreffen.
Wie gelangt man in die Gerüchteküche?
In politisch aktiven Kreisen kursiert die Weisheit, daß nicht Sie die Gerüchteküche nutzen, sondern umgekehrt. Es gibt eine unendliche Anzahl von Methoden, sich Zugang zur Gerüchteküche zu verschaffen. Es kommt nicht darauf an, wie Sie das tun, sondern mit wem Sie es tun.
Es ist nicht schwer, jemanden zu finden, der mit der Gerüchteküche vertraut ist. In jedem beliebigen Unternehmen beziehen 80 bis 90 Prozent der Mitarbeiter Informationen aus diesem inoffiziellen Kommunikationsnetz. Mit anderen Worten: Wenn Sie ein Gerücht hören möchten, können Sie praktisch jeden fragen.
Nun verfügen manche Mitarbeiter über mehr Informationen als andere. Wenn Sie selbst Informationen (ob sie zutreffend sind oder nicht, ist für die Zwecke dieses Buches irrelevant) in Umlauf bringen wollen, brauchen Sie sich nur an diejenigen zu halten, die Klatsch nicht nur hören, sondern auch weitergeben. Es handelt sich um Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Aufgabengebiete mit Informationen aus dem ganzen Unternehmen zu tun haben und sich deshalb bestens als Vermittler von Gerüchten eignen.
Die folgenden Mitarbeiter sind die besten Kandidaten, um Informationen zu verbreiten:
* Sekretärinnen/Assistentinnen.
Sie tippen Aktennotizen, organisieren Meetings und haben die beste Kontrolle über die Leute, denen sie unterstellt sind.
* Mitarbeiter im Postraum.
Das Papier spielt in den meisten Unternehmen noch immer eine wichtige Rolle - und wer mit der Post zu tun hat, nimmt sich eben entgegen landläufiger Meinung doch die Zeit, Aktennotizen zu lesen. Außerdem haben diese Mitarbeiter mit vielen verschiedenen Abteilungen zu tun, stehen mit vielen Menschen in Kontakt und würden ohnehin lieber reden als ihre Arbeit tun.
* Mitarbeiter im Kopierraum.
Für jedes große Meeting oder Training werden Berge von Papier benötigt - und im Kopierraum konzentriert es sich.
* Verwaltungspersonal.
Zwar gehört der alte Schreibpool in den meisten Unternehmen der Vergangenheit an, doch es gibt immer noch ein Heer von Mitarbeitern, die für die Verwaltung des modernen Unternehmens zuständig sind. Kümmern Sie sich nicht um das traditionelle Organigramm. Diese Mitarbeiter verfügen über eine greifbare Macht und können die Führungskräfte, für die sie arbeiten, lenken - zumindest in den meisten Fällen.
* Andere Manager.
Wenn Sie wissen wollen, wie andere die kursierenden Informationen interpretieren, sollten Sie sie mit entsprechenden Nachforschungen beauftragen.[...]