Wie Aschenputtel Karriere macht

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Cary J. Broussard, Anita Bell

Wie Aschenputtel Karriere macht

Zehn märchenhafte Strategien für kluge Frauen

Übersetzt von Nicole Hölsken

Was verbindet Schneewittchen, Rotkäppchen oder Rapunzel mit einer berufstätigen Frau von heute? Verblüffend viel! Kenntnisreich und spritzig zeigt dieses Buch ambitionierten Frauen, wie die altbekannten Märchen hoch aktuelle Karrierestrategien und konkrete Ratschläge für mehr beruflichen Erfolg liefern.

Die früheren Märchenheldinnen hatten es wahrlich genauso schwer wie die heutigen Frauen: Sie müssen sehr hart arbeiten und finden dafür häufig keine Anerkennung, sie werden von rücksichtslosen Konkurrenten bedroht oder sie finden einfach nicht den richtigen Weg. Doch die vertrauten Märchen zeigen zugleich Wege aus den scheinbar ausweglosen Situationen: Aschenputtel findet ihre helfende Mentorin in Form einer Fee, Schneewittchen sucht sich sieben loyale Verbündete und Rapunzel verschafft sich laut vernehmbar Gehör. Die Autorinnen übertragen die alten Märchen auf die heutige Berufswelt und zeigen mit handfesten Ratschlägen für den Joballtag, wie Frauen ins Schloss finden – und zwar ganz ohne Hilfe eines Prinzen!

Cary J. Broussard
Cary J. Broussard entwickelte für die Wyndham-Hotels das »Women On Their Way«-Programm, das speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche weiblicher Business-Traveler eingeht. Sie gilt in den USA als Spezialistin für frauengerechtes Marketing, aber auch als Expertin in Sachen Frauenkarrieren und Frauennetzwerke.
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Anita Bell
Anita Bell ist freie Autorin und hat bereits an mehreren Ratgebern mitgearbeitet.
mehr zum Autor

05.01.2009, Kleine Zeitung
Karriere wie im Märchen
"Zwischen den Zeilen von Märchen verbergen sich Anleitungen für eine erfolgreiche Karriere."

30.01.2008, Freundin
Erfolg wie im Märchen
"Märchenhafte Job-Tipps ... Von den Geschichten der Brüder Grimm können auch moderne Business-Frauen noch so einiges lernen."

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Aschenputtel Wie Sie ins
Schloss gelangen und sich
eine gute Fee suchen



Cinderella oder Aschenputtel kennen wir alle - aber es ist viel mehr als nur eine Kindergeschichte. Das heutige Arbeitsleben ist knallhart und ausschließlich von Konkurrenzdenken geprägt, und besonders hier hat uns dieses Märchen eine Menge zu sagen. Gerade der ständige Druck, unter dem die Aschenputtels von heute stehen, trägt zu ihrer Stärke bei. Sie arbeiten hart, und wenn sie fallen, stehen sie sofort wieder auf und klopfen sich den Staub von den Kleidern. Sie machen Fehler und sind alles andere als perfekt. Aber sie sind die wahren Heldinnen des Arbeitslebens.
Aschenputtel ist eine der bekanntesten und wandlungsfähigsten Märchenfiguren überhaupt. Ihre Geschichte wurde weltweit in unzähligen Variationen verbreitet. Volkskundler schätzen, dass es zwischen 340 und 1500 Varianten gibt! Die erste und immer noch beste literarische Version der westlichen Welt wurde im Jahre 1697 von Charles Perrault veröffentlicht. Sie war Teil seiner Sammlung von Erzählungen mit dem Titel Contes de ma mère l'Oye, die im Jahre 1822 unter dem Titel Feenmärchen für die Jugend auch in Deutschland publiziert wurde. Hier finden wir auch typische Aschenputtel-Elemente wie den gläsernen Schuh, den Kürbis, der sich in eine Kutsche verwandelt, und die gute Fee.
Wahrscheinlich kennen Sie Aschenputtel sowieso in- und auswendig. Trotzdem kann eine kleine Auffrischung nicht schaden. Hier also die Kurzform der klassischen Version:

Ein junges Mädchen namens Aschenputtel wird von seiner Stiefmutter und seinen Stiefschwestern grausam misshandelt, verspottet und gezwungen, als niedere Dienstmagd zu arbeiten. Doch das Mädchen verliert weder seine Lebensfreude, noch seine Hoffnung. Es arbeitet hart und träumt von einem besseren Leben. Derweil ist der Prinz auf Brautsuche und lädt sämtliche Jungfrauen des Landes zu einem großen Ball ein. Aschenputtels Stiefmutter und Stiefschwestern schmieden ein Komplott, damit Aschenputtel nicht teilnehmen kann. Aber da erscheint eine gute Fee, die Aschenputtel gerade noch rechtzeitig mit einer herbeigezauberten Kutsche, einem Ballkleid und einem Paar gläserner Schuhe versorgt.
Auf dem Ball verliebt sich der Prinz auf den ersten Blick in Aschenputtel. Aber sie muss rechtzeitig vor Mitternacht nach Hause zurückkehren, denn dann verliert der Zauber seine Wirkung. Also eilt sie davon, bevor der Prinz noch nach ihrem Namen fragen kann. Auf der Flucht verliert sie einen ihrer gläsernen Schuhe. Der Prinz schickt seinen Abgesandten aus, um das geheimnisvolle Mädchen zu finden, dem dieser Schuh passt. Viele Jungfrauen versuchen, ihren Fuß in den Schuh zu zwängen, darunter auch ihre Stiefschwestern. Aber nur Aschenputtel passt der Schuh wirklich, und so wird sie des Prinzen Braut.

Die Gebrüder Grimm veröffentlichten eine bodenständigere Version von Aschenputtel, die auf einem mündlich überlieferten Märchen mit dem Titel "Aschenputtel" beruhte. Hilfe kommt hier nicht von einer guten Fee, sondern von den Tauben, die in dem Baum wohnen, den Aschenputtel auf das Grab ihrer Mutter gepflanzt hat. Der Schuh ist in dieser Version nicht aus Glas, sondern aus Gold, und die Stiefschwestern verstümmeln sich auf grausame Weise selbst, um hineinzupassen - sie schneiden sich Teile ihrer Füße ab.
Im Jahre 1950 veröffentlichte Walt Disney seinen berühmten Zeichentrickfilm, der ein großer Erfolg wurde. Die ebenso anmutige wie musikalische Heldin des Films bestimmt das Bild, das wir heutzutage von Aschenputtel im Kopf haben. Durch die Erfindung des Heimkinos ist der Film beliebter denn je, und mittlerweile begegnet uns die Figur überall: auf Kleidern, Kostümen, Schmuck, Haushaltswaren; und im "Magic Kingdom" der amerikanischen Disneyworld kann man sogar mit der "richtigen" Aschenputtel frühstücken! Im Jahre 2001 kombinierte Disney seine Cinderella mit anderen Märchenprinzessinnen - mit Belle (aus Die Schöne und das Biest), Aurora und Schneewittchen. Dieses Quartett ist heute populärer als die Beatles. Allein das Merchandising bringt über 1,5 Billionen Dollar jährlich ein!
Aber die Geschichte von Cinderella und Aschenputtel war und ist nicht ausschließlich für Kinder bestimmt. Seit der Zeit, da Perrault die vornehmen und gebildeten Aristokraten am Hofe Ludwigs XIV. mit dieser Erzählung unterhielt, erfreuen sich Menschen aller Altersklassen und Bildungsstufen an diesem Stoff. Im Jahre 1945 wurde das Ballett Cinderella nach der Musik von Prokofjew am Bolschoi-Theater in voller Länge uraufgeführt und bezauberte die - vornehmlich aus strengen Sowjet-Offizieren bestehende - Zuhörerschaft. Auch das Fernsehspiel von Rodgers und Hammerstein feierte unvergessliche Erfolge: Zuschauer aller Altersgruppen waren hingerissen. Und selbstverständlich existieren auch zahllose literarische Texte, die sich mit der Thematik auseinandersetzen: so beispielsweise ein Gedicht von Sylvia Plath, die jungschen Abhandlungen und die Deutungen der freudschen Psychoanalyse.
Wie kommt es, dass sich eine Geschichte über die Vielfalt der Kulturen und Jahrhunderte hinwegsetzt und Menschen aller Altersgruppen und Epochen fasziniert? Worin besteht Aschenputtels Geheimnis?


Die Alchemie der Verwandlung
Die Grundlage dieser Geschichte ist der Glaube an die Möglichkeit persönlicher Veränderung: Aschenputtel verwandelt sich von der unterdrückten Dienerin in eine Prinzessin, vom einsamen Aschenputtel in die geliebte Braut. Sie demonstriert uns, dass ein Aufstieg möglich ist, und zwar für jeden, egal wie niedrig sein sozialer Status ist oder wie sehr man ihn verachtet. Genau diese Botschaft zieht die Menschen in ihren Bann. Und sie lässt sich auf berufstätige Frauen ebenso anwenden wie auf die Heldinnen der Märchen.
Reden wir zunächst einmal Klartext: Niemand behauptet, dass Sie demnächst Ihren Märchenprinzen treffen, der Sie zur Prinzessin macht und mit auf sein Schloss nimmt. (Und wenn wir uns die Nöte einer Prinzessin Diana oder einer Fergie anschauen, dann ist das wohl auch kaum erstrebenswert.) Aber Sie können eine realistische und hochbefriedigende Veränderung im Job erzielen.
Es gibt genauso viele (vielleicht sogar mehr) verschiedene Möglichkeiten, Ihre Situation am Arbeitsplatz zu verbessern, wie es Versionen des Aschenputtel-Märchens gibt. "Frauen streben im Job ein höheres Maß an persönlicher Befriedigung an als Männer", sagt Miranda, die jahrelang in leitender Position bei einem großen Fernsehsender tätig war. "Die an männlichen Bedürfnissen orientierten Entlohnungen - Geld, Macht, Prestige - haben für uns nicht unbedingt das gleiche Gewicht."
Natürlich haben wir nichts dagegen, mehr Geld zu verdienen. Aber das ist nicht (unbedingt) die einzige Motivation. Manche Frauen wollen Macht und Einfluss und wünschen sich einen beeindruckenden Titel. Andere wiederum fühlen sich in einem verantwortungsvollen Posten, der mit einem hohen Maß an Druck und Stress einhergeht, nicht wohl in ihrer Haut. Obwohl dieses Buch den Titel Wie Aschenputtel Karriere macht trägt, will ich damit nicht andeuten, dass jede Frau das Ziel haben sollte, Karriere zu machen. Aber ich will Sie ermutigen, in diese Richtung zu denken, egal, welche Position Sie in der Firmenhierarchie gerade innehaben. Entwickeln Sie eine eigene Zukunftsvision von sich selbst, die zu Ihren Werten, Zielen und zu Ihrer persönlichen Situation passt.
Manche Frauen lieben Abwechslung und Nervenkitzel, andere bevorzugen Stabilität und Sicherheit. Einige sehnen sich nach Freiheit, andere ziehen feste Strukturen vor. Die einen wollen etwas zum Wohle ihrer Mitmenschen und der Gesellschaft tun, für die anderen ist es wichtiger, kreativ zu sein. Jeder hat seine eigene Vorstellung vom Erfolg. Wie sieht Ihre aus? Sie müssen ein deutliches Bild vor Augen haben, damit es Ihnen gelingt, Ihren virtuellen Kürbis in eine Kutsche zu verwandeln und mit ihr ans Ziel zu gelangen. Und diese Vision von einem befriedigenden und erfüllten Berufsleben können nur Sie selbst entwerfen. Sie beruht auf Ihrem ganz persönlichen Gleichgewicht von Werten, Talenten und Wünschen.


Vorbereitung auf das Leben im Schloss - Schritt 1

Beantworten Sie folgende Fragen, um sich selbst ein klares Bild davon zu machen, wie Sie Ihren beruflichen Werdegang verändern wollen.

1.Wie viel Geld muss ich verdienen, um meinen gewünschten Lebensstandard aufrechterhalten zu können?
2.Was wollte ich immer schon tun? Was hält mich zurück?
3.Wo möchte ich arbeiten (d.h. zu Hause, in einer anderen Stadt, in der Nähe)?
4.Bin ich bereit, mich fortzubilden, um überhaupt für eine besser bezahlte Position in Betracht zu kommen?
5.Bin ich Führungsaufgaben gewachsen? Hätte ich lieber viele oder wenige Mitarbeiter in meinem Team? Fühle ich mich in einer Machtposition wohl?
6.Bevorzuge ich bei der Abwicklung meiner Aufgaben genaue Arbeitsanweisungen, oder arbeite ich lieber unabhängig?
7.Möchte ich lieber in einem großen, einem mittelständischen oder einem kleinen Unternehmen arbeiten?
8.Wie wichtig ist der Sicherheitsaspekt für mich? Welches Maß an finanziellem Risiko kann ich mir leisten?
9.Wie wichtig ist es für mich, mit meiner Arbeit Gutes zu tun?
Wie kann ich anderen helfen und dabei selbst Befriedigung finden, ohne mir selbst etwas dabei zu vergeben oder meinen Lebensstandard zu gefährden?

Die Aschenputtels in der Realität von heute

Beispiele für bahnbrechende Veränderungen gibt es überall. Einige Aschenputtels aus dem wirklichen Leben sind wohlhabend und weltberühmt, andere wiederum kennen wir aus unserem Alltag, und wir arbeiten tagtäglich mit ihnen zusammen:
Die Frau, die jeden Monat etwas mehr Verantwortung übernimmt und sich nach und nach hocharbeitet, bis sie eine leitende Position in ihrem Unternehmen innehat und als Mentorin für jüngere Kolleginnen fungiert.
Die Innovative, die ein neues Konzept für ihre Firma entwickelt und es so lange unermüdlich bei ihren Vorgesetzten vertritt, bis diese ihr zuhören.
Die Risikofreudige, die ins kalte Wasser springt und eine eigene Firma gründet, weil sie eine Idee hat, an die sie glaubt.
Die Frau, die die Schwierigkeiten mit ihrem Chef überwindet, zielstrebig ihre Ziele verfolgt und Erfolg hat, und das trotz der Firmenpolitik.

Sie alle sind Aschenputtels.

Christine begann im Jahre 1982 ihre Arbeit als Projektmanagerin bei einem großen Reiseveranstalter. Nach der Fusion mit einem anderen Anbieter aus der Branche nahm das Unternehmen die Position des Marktführers ein. Christine machte Karriere und wurde zur Geschäftsführerin befördert. Ihre Botschaft ist eindeutig: "Mein Aufstieg in dieser Firma ist zu einem großen Teil meinem Ehrgeiz zu verdanken", sagt sie. "Ich habe immer ein bisschen mehr als andere übernommen. Ab einem gewissen Punkt sagte man mir nach, dass ich jede schwierige Aufgabe, die man mir anvertraute, erfolgreich erfüllte. Warten Sie nicht darauf, dass jemand Ihnen einen Vorschlag macht. Ergreifen Sie die Initiative", rät Christine. "Zeigen Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen wollen. Raffen Sie sich auf, gehen Sie zu Ihrem Vorgesetzten und sagen Sie ›Ich möchte dieses Projekt übernehmen.‹ oder ›Ich glaube, ich kann einen positiven Beitrag zum Wohl der Firma leisten, indem ich XYZ tue.‹ Einer der größten Fehler, den Frauen im Job machen, besteht darin, dass sie höflich abwarten, bis ihnen irgendwann einmal die ihnen zustehende Anerkennung für ihre Leistungen zuteil wird. Aber dieses Verhalten schadet ihnen oft nur. Warten Sie nicht länger! Fragen Sie sich: ›Wie kann ich mich selbst vermarkten?‹ Der Management-Guru Tom Peters rät: ›Promoten Sie Ihre eigene Marke.‹ Alle anderen tun das nämlich auch!"
Susanne ist Vorsitzende einer namhaften Organisation zur Bekämpfung von Brustkrebs, die innovative Forschungsprojekte fördert und umfassende Aufklärungskampagnen initiiert. "Eine meiner wichtigsten Aufgaben besteht darin, das Ganze zu sehen, den Überblick zu bewahren", sagt Susanne. "Egal, welche Position eine Frau in unserem Unternehmen innehat, ich ermutige sie, regelmäßig einen Moment innezuhalten und sich zu fragen, auf welche Weise ihre Arbeit unserer Organisation dienlich ist. Und außerdem braucht man eine Zukunftsvision: Wir müssen unser Ziel immer im Blick haben, ob es nun die Realisierung einer neuen Geschäftsidee oder die Heilung von Krebs ist. Wenn wir es vor unserem inneren Auge sehen, können wir es auch verwirklichen."


Vorbereitung auf das Leben im Schloss - Schritt 2

Erstellen Sie mithilfe Ihrer Antworten auf die obigen Fragen eine Arbeitsplatzbeschreibung Ihres idealen Jobs. Seien Sie dabei so detailliert wie möglich. Denken Sie auch an Faktoren wie Ihr Gehalt, die Arbeitsstunden, die Art der Arbeit, die Verantwortungsbereiche, die Größe der Firma etc.
Bereiten Sie sich auf den Erfolg vor - Scheitern kommt nicht infrage -, indem Sie eine Zukunftsvision entwickeln, die realistisch und erreichbar ist. Denken Sie an physische Hindernisse, an Ihr Alter und an die Grenzen, die Glück und Talent Ihnen auferlegen. Berücksichtigen Sie Ihre Vorlieben und Ihre Persönlichkeit. Wenn Sie es beispielsweise unerträglich finden, ein Kostüm zu tragen und viele Überstunden zu machen, dann ist eine leitende Stellung in einem größeren Unternehmen kein realistisches Ziel. Wer keine Kritik vertragen kann, für den ist eine Laufbahn im kreativen Bereich höchst problematisch. Aber innerhalb der Grenzen Ihrer eigenen Fähigkeiten ist genug Raum zum Wachstum. Solange Sie sich einen Traum schaffen, der in die Parameter der Realität passt, ist Wandel immer möglich.

Natürlich wird es Ihnen nichts nützen, wenn Sie sich lediglich wünschen, dass Ihre Träume wahr werden. Sie müssen dafür hart arbeiten. Seien Sie beharrlich, und denken Sie wie ein Schachspieler. Akzeptieren Sie Ihre Eigenarten und Defizite.
Letztere können sogar der Schlüssel sein, der Ihnen die Tür zum Palast öffnet. Versuchen Sie, Ihrer Unvollkommenheit positive Seiten abzugewinnen. Bauen Sie darauf auf, arbeiten Sie an sich selbst, und suchen Sie sich andere, die diese Eigenschaften zu schätzen wissen. Ihren Träumen und Idealen sollten Sie immer treu bleiben, auch wenn Sie verspottet werden, wenn jemand Sie mundtot machen will oder wenn die Schwierigkeiten Sie schier zu überwältigen drohen. Denken Sie nicht ständig über Ihre Fehler nach: Das würde Sie auf Ihrem Weg nur behindern.
Und dann benötigen Sie noch etwas: Suchen Sie sich eine Person, die gut mit einem Zauberstab umgehen kann und Ihnen ein bisschen auf die Sprünge hilft!


Jeder braucht eine gute Fee
Märchen ziehen uns vor allem deshalb in ihren Bann, weil sie zeigen, dass sich viele Aspekte des Lebens über Jahrhunderte hinweg einfach nicht ändern. Charles Perrault, der am Ende jeder Geschichte eine geistreiche Moral, eine moralité, setzte, gewährt uns auch am Ende des Aschenputtel-Märchens wichtige Einsichten: "Es ist gewiss ein großer Vorzug, hoher Abkunft zu sein und Geist, Herz, Verstand und andere Gaben, die der Himmel schenkt, zu besitzen; doch sind sie euch umsonst gegeben und bringen euch in nichts voran, wenn ihr, um sie zu nutzen, nicht auch einen Paten oder eine Patin an eurer Seite habt."
Wenn man "gute Fee" bzw. "guter Zauberer" durch die Begriffe "Mentorin" oder "Mentor" ersetzt, dann verwandelt sich diese
300 Jahre alte Erkenntnis in eine Lektion, die für das Fortkommen im modernen Arbeitsleben von unschätzbarem Wert ist.
Man kann nicht genug betonen, wie wichtig ein oder sogar mehrere Mentoren sind. Mir selbst hat jeder einzelne meiner Berater in meiner Laufbahn entscheidend weitergeholfen. Und wenn Sie näher hinschauen, werden Sie feststellen, dass fast jeder erfolgreiche Mensch ein hohes Maß an Unterstützung durch einen oder mehrere Mentoren erhalten hat.
Mentoren sind so alt wie die Zivilisation selbst. Bestimmt hat eine Höhlenfrau der anderen gezeigt, wie man das Feuer hütet und sich seinen gerechten Anteil Fleisch sichert. In der Odyssee nimmt Athene, die Göttin der Weisheit, die Gestalt eines Mannes mit Namen Mentor an, um Odysseus mit Rat zur Seite zu stehen und über seinen Sohn zu wachen. (Wahrscheinlich waren die Menschen zur damaligen Zeit so voreingenommen, dass sie niemals den Rat einer Frau befolgt hätten, selbst wenn sie unsterblich war.)
Die moderne Definition eines Mentors ist "weiser, loyaler Ratgeber", Coach, Berater oder Fürsprecher. Die Person, die Hilfe erhält, nannte man früher "Protegé", im modernen Berufsleben bezeichnet man sie als Mentee. Das klingt zwar ziemlich merkwürdig, aber wenn Sie erst einmal Mentee sind, werden Sie es zu schätzen wissen.
Auch wenn es uns nicht gefällt: Die zynische alte Redensart "Es kommt nicht darauf an, was man kann, sondern wen man kennt" enthält durchaus ein Körnchen Wahrheit. Als berufstätige Frau können Sie diesen Satz folgendermaßen modifizieren: "Es kommt darauf an, was man kann und wen man kennt." Wer gute Arbeit leistet, der benötigt auch jemanden, der ihn anspornt. Sie müssen ständig auf Draht sein, gut informiert und immer mit der Nase vorn. Aber genauso wichtig ist es, die richtigen Leute zu kennen, und ein Mentor verschafft Ihnen einen ungeheuren Vorteil - zumindest, wenn Sie bereit sind, auf ihn zu hören!
Im Rahmen einer Studie der führenden amerikanischen Unternehmensberatung Catalyst, deren Hauptaugenmerk auf weiblichen Führungskräften liegt, gaben vier von fünf Frauen in leitender Position an, ihren Erfolg in weiten Teilen ihrem Mentor zu verdanken. Die ehemalige Geschäftsführerin dieses Instituts fasst ihre Ergebnisse folgendermaßen zusammen: "Meiner Erfahrung nach ist der einzige wichtige Grund, warum Männer bei gleicher Begabung höher aufsteigen als Frauen, der, dass die meisten Männer Mentoren haben und die meisten Frauen nicht. Mentoren zeigen Ihnen nicht nur die Fäden, an denen Sie ziehen müssen, sie ziehen auch selbst daran und lassen ihre Beziehungen spielen."

Wie ein Mentor zaubert

Ein Mentor oder eine Mentorin kann einiges bewirken.

Ein Mentor kann Ihnen besondere Jobfertigkeiten und Vorgehensweisen vermitteln.
Ein Mentor kann dafür sorgen, dass Ihre Ideen, Bemühungen und Leistungen Anerkennung finden - das ist eine seiner wichtigsten Funktionen.
Ein Mentor kann Ihnen wertvolle Einblicke in die Organisationsstruktur Ihres Unternehmens gewähren und schützt Sie in Einzelfällen vor den Folgen der Unternehmenspolitik.
Mit Ihrem Mentor können Sie über Probleme reden, ohne Sank-tionen befürchten zu müssen. Außerdem erhalten Sie hier wertvolle Kritik, ohne dass Ihr beruflicher Werdegang dadurch ge-fährdet würde.
Der Mentor sorgt dafür, dass Sie bei wichtigen Projekten, in Ausschüssen und Teams berücksichtigt werden.
Ein Mentor unterstützt Sie bei einem Vorstoß um eine Gehaltserhöhung, eine Beförderung oder um flexiblere Arbeitszeiten.
Ein Mentor hilft Ihnen dabei, die Dinge im richtigen Licht zu betrachten und Ihren Sinn für Humor nicht zu verlieren.
Ein Mentor hört Ihnen zu (zumindest, wenn Sie ihm oder ihr ebenfalls zuhören).

Pressetext (PDF)

Cover, reprofähig

Autorenfoto, reprofähig

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Erscheinungstermin:
11.02.2008

kartoniert

288 Seiten

EAN 9783593384214

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