Richard Nelson Bolles
Jobs finden in harten Zeiten
Der Survival-Guide
Bearbeitet von Nicole Hölsken
Übersetzt von Nicole Hölsken
Die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt sind hart. Von wem, wenn nicht von Richard Nelson Bolles, dem führenden Experten zur Jobsuche, möchte man sich in dieser Situation helfen lassen? Auf seine motivierende und humorvolle Art hilft der Autor, auch in diesen schwierigen Zeiten nicht den Mut zu verlieren und einen Job zu finden. Er zeigt unter anderem,
o warum es auch in einer wirtschaftlich schwierigen Lage immer noch freie Stellen gibt,
o welche Methoden der Jobsuche gerade jetzt sinnvoll sind und
o wie man während einer eventuellen Arbeitslosigkeit gut über die Runden kommt.
Richard Nelson Bolles
Richard Nelson Bolles ist einer der weltweit führenden und einflussreichsten Experten für Karriere- und Lebensplanung. Von den deutschsprachigen Ausgaben seiner Bücher wurden insgesamt mehr als 150 000 Exemplare verkauft, davon allein von seinem regelmäßig aktualisierten Klassiker "Durchstarten zum Traumjob" (zuletzt 2009) jährlich rund 10 000 Exemplare.
mehr zum Autor
01.10.2010, Unicum Beruf
Jobsuche
"Der Ratgeber bietet eine Menge Sinnvolles für wenig Geld."
01.09.2010, Wir und die Wirtschaft
Jobs finden in harten Zeiten
"Leichte Lektüre, die mit Informationen und Ratschlägen erfüllt ist."
28.08.2010, Die Welt
Zum Traumjob in Krisenzeiten
"Einfach, anschaulich und unterhaltsam."
01.08.2010, Trend
Jobs finden in harten Zeiten
"Humorvoll und motivierend."
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Kapitel 7
Die Suche nach dem bisherigen Job
Ich habe meinen Job verloren, der mir immer sehr gefallen hat. Wie kann ich etwas Ähnliches wiederfinden?
Natürlich beginnen Sie mit dem Internet. Ihr bester Freund hier ist eine Suchmaschine wie Google (google.de). In das Suchfeld geben Sie mehrere Suchbegriffe gleichzeitig ein: die Berufsbezeichnung
Ihres alten Jobs, Ihre geografische Präferenz, Ihr Spezialgebiet und das Wort "Jobs". Schauen Sie sich dann die Ergebnisse an.
Als nächstes geben Sie die gleichen Termini in die bekannten Jobrobots wie simplyhired.de oder jobrobot.de ein, die auf einen Schlag viele, wenn nicht gar einen Großteil aller Stellenbörsen im Internet durchgehen.
Was tun, wenn bei dieser Suche nichts herauskommt?
Nun, das wäre keineswegs überraschend. Sie wissen doch: Wir stecken mitten in der Wirtschaftskrise. Greifen Sie dann auf Plan B zurück. Denken Sie nach. Entstauben Sie Ihr Gehirn und
überlegen Sie, welche Jobs mit Ihrem bisherigen verwandt sind. Dazu können Sie sich folgende Fragen stellen:
1. Welche Ausstattung, Ausrüstung oder Support Services benötigten Sie für Ihren letzten Job? Sind Lieferanten oder Hersteller dieser Hilfsmittel oder Materialien unter Umständen bereit, Ihnen andere Firmen zu nennen, in denen ihre Produkte eingesetzt werden? Wenn Sie beispielsweise bei einem digitalen Fotodienst gearbeitet haben, könnten Ihnen die Lieferanten des Fotopapiers oder des digitalen Equipments bei der Recherche nach anderen - ähnlichen - Arbeitgebern helfen, da diese ebenfalls zu ihren Kunden gehören. Fragen kostet nichts. Vielleicht sind derlei Informationen vertraulich, vielleicht aber auch nicht. Warten Sie mit der Kontaktaufnahme nicht ab, bis bei den Konkurrenzunternehmen Ihrer alten Firma eine freie Stelle bekannt wird. Sobald Sie die Namen haben, können Sie sie kontaktieren - und bitte tun Sie das auch. (Vielleicht hat gerade an diesem Tag ja jemand gekündigt.)
2. Bei welchen Maschinen oder Technologien haben Sie im Rahmen Ihrer vorherigen Anstellung neue Fähigkeiten erlernt oder vorhandene Kenntnisse verbessert? Können Sie herausfinden, ob es andere Unternehmen gibt, die die gleiche Technologie einsetzen? Fragen Sie dort nach, ob man an Ihrem Know-how interessiert wäre. Zugegeben, die meisten Firmen haben ihre Belegschaft aufgrund finanzieller Engpässe in letzter Zeit reduziert, aber vielleicht waren die Einschnitte ja auch so hart, dass sie nun doch wieder suchen. Unter Umständen hat man soeben festgestellt, dass man gerade jemanden mit Ihren Fähigkeiten und Ihrer Erfahrung gebrauchen kann.
3. Wer war für Aus- und Weiterbildung an Ihrem vorherigen Arbeitsplatz zuständig? Vielleicht ein externes Weiterbildungsunternehmen? Vorausgesetzt, dass Sie ein kommunikativer Typ sind, könnten Sie Nachforschungen darüber anstellen, ob dort vielleicht Interesse an Ihrer Mitarbeit besteht. Zwar klagen zahlreiche Weiterbildungsunternehmen darüber, dass gerade auf diesem Sektor gespart wird, einige kämpfen mittlerweile sogar ums schiere Überleben. Aber nicht alle. Fragen kostet nichts.
4. Für welche Firmen, Organisationen oder Kunden arbeiteten Sie in Ihrem letzten Job? Nutzen Sie Ihre Kontakte zu den dortigen Ansprechpartnern und erkundigen Sie sich, ob einer von ihnen jemanden mit Ihren Talenten und Ihrer Erfahrung einstellen möchte.
5. Welche Dienstleistungsunternehmen waren an Projekten, an denen Sie maßgeblich mitgewirkt haben, beteiligt? Gab es Institutionen, die vielleicht sogar zur Finanzierung beitrugen? Fragen Sie sich, ob dort Interesse an Ihren Qualifikationen und Erfahrungen bestehen könnte. Nehmen Sie Kontakt zu den dortigen Mitarbeitern auf und erkundigen Sie sich.
6. Welche Fähigkeiten und welche Strategien zur Problemlösung waren bei Ihrer vorherigen Tätigkeit vonnöten? Fragen Sie sich, ob es nicht Firmen gibt, die mit ganz ähnlichen Herausforderungen zu kämp-fen haben und die Ihre Fähigkeiten gut gebrauchen könnten. Nehmen Sie Kontakt zu den Ansprechpartnern auf und fragen Sie nach, ob Sie nützlich für das Unternehmen sein könnten. Und denken Sie daran: Sie präsentieren sich den jeweiligen Firmen als jemand, der etwas anzubieten hat, und nicht als jemand, der um einen Job bettelt.
7. Mit welchen Zeitarbeitsfirmen, Outsourcing-Agen-turen oder Subunternehmern arbeitete Ihr ehemaliger Arbeitgeber zusammen? Fragen Sie sich, ob eines dieser Unternehmen vielleicht Interesse an Ihrer Mitarbeit haben könnte - entweder vorübergehend, befristet oder langfristig. Nehmen Sie auf jeden Fall zu den Personalverantwortlichen Kontakt auf und fragen Sie nach.
8. Wahrscheinlich kennen Sie Ihren Ort oder Ihren Stadtteil wie Ihre Westentasche. Sie wohnen dort, kaufen dort ein und gehen dort Ihren Freizeitaktivitäten nach, auch wenn Sie vielleicht nicht dort arbeiten. Wo gibt es Defizite, Bedürfnisse, um die sich keiner kümmert? Für welche Art von Dienstleistungen sind die Menschen bereit zu zahlen - und zwar auch in Krisenzeiten, entweder weil Sie sie nicht selbst tun können oder weil sie keine Zeit dazu haben? Könnten Sie auf der Basis dieser Informationen und Ihrer eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen Ihr eigenes kleines Unternehmen gründen, um diese Bedürfnisse zu stillen?
Was, wenn ich tatsächlich freie Stellen finde, deren Arbeitsplatzbeschreibung meinem ehemaligen Job ähneln, und trotzdem leer ausgehe. Wie sieht dann mein nächster Schritt aus?
Werfen Sie einen genauen Blick auf Ihre Hobbys und Ihre Freizeitgestaltung der vergangenen paar Jahre. Der Karriere- und Bewerbungsberater John Crystal definierte Freizeit als das, "was du tust, wenn keiner dir sagt, was du tun sollst".
Vielleicht haben Sie mit dem einen oder anderen Hobby schon einige Zeit verbracht und sind so etwas wie ein inoffizieller Experte dafür geworden.
Hobbys? Welche Art von Hobbys?
Aus dem Stegreif kann ich Ihnen da Hobbys nennen wie: Angeln, Antiquitäten, Autos, Blumen, Boot fahren, Camping, Computer, Elektronik, Fahrrad fahren, Fotografie, Gartenarbeit, Haustiere, Holzschnitzen, Jagd, Kampfsport-arten, Klaviermusik, Kochen, Lesen, Mathematik, Meereskunde, Modellbau, Motorräder, Nähen, Pferde, Sammeln, Ski fahren, Tanzen, Vögel beobachten, Yoga. Ausführlichere Listen finden Sie im Internet auf Seiten wie: paradisi.de/Freizeit_und_Erholung/Hobbys oder rss-scout.de/Hobbys-Sammeln-Basteln-Heimwer-ken.html.
Natürlich stellt sich jetzt folgende Frage: Gibt es irgendwelche Jobs, die etwas mit Ihrem Lieblingshobby zu tun haben? Um dies herauszufinden, sollten Sie Ihr Hobby zusammen mit dem Wort "Job" in Ihre Suchmaschine eingeben.
Weitere Quellen für Informationen: Gehen Sie in die Bibliothek oder in Buchhandlungen mit einer großen Zeitschriftenabteilung. Stöbern Sie. Suchen Sie eine Zeitschrift, die sich mit Ihrem Lieblingshobby befasst. Kaufen Sie sie und lesen Sie sie vom Anfang bis zum Ende durch, um herauszufinden, welche Art von Stellenanzeigen es dort gibt.
Ich sehe ja durchaus ein, dass intensives Nachdenken etwas bringt, aber warum habe ich bei meiner Internetsuche keine freien Stellen gefunden, die unter meiner ursprünglichen Berufsbezeichnung gelistet wurden?
So etwas klappt nur dann, wenn Sie nach einem eindeutigen Job wie "Buchhalter", "Klempner" oder "Sekretärin" suchen.
Aber sobald die Berufsbezeichnungen komplexer werden, finden Sie unter Umständen gar nichts mehr. Das liegt daran, dass der Stellenmarkt im Allgemeinen und bestimmte Jobs im Besonderen einer ständigen Verwandlung unterliegen.
Verwandlung ist, wie Sie sich vielleicht erinnern, in vielen Kulturen der Welt ein Leitmotiv, das sich in Mythologie, Folklore und Fiktion sowie in historischen Darstellungen wiederfindet. Sogenannte Formwandler (auch: Metamorphen) sind mythische Wesen, die die Fähigkeit besitzen, ihre Form, ihre Größe und ihr physisches Erscheinungsbild willentlich zu verändern, häufig wenn sie umherwandern oder verfolgt werden. (Eine durchaus geeignete Metapher also für die Jobs, denen wir bei unserer Suche hinterherjagen.)
Die Idee der Verwandlung hat ihren Ursprung natürlich in der Biologie und der menschlichen Entwicklung. Nehmen wir an, ich würde einem Außerirdischen verschiedene Bilder zeigen: von einem Baby, von einem Kind, einem Jugendlichen, einem Vierzigjährigen und einem Achtzigjährigen. Der Außerirdische würde vielleicht nicht darauf kommen, dass es sich um ein und denselben Menschen (nämlich mich) in verschiedenen Phasen seines Lebens handelt.
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