Durch das Herz der Finsternis

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Sven Lindqvist

Durch das Herz der Finsternis

Ein Afrika-Reisender auf den Spuren des europäischen Völkermords

Übersetzt von Armin Huttenlocher

Sven Lindqvist führt die Leserinnen und Leser in seinem Buch in ein dunkles, gern vergessenes Kapitel europäischer Geschichte und sensibilisiert für die Zusammenhänge zwischen den Rassismen damals und heute, in Afrika und in Europa. Seine These lautet, daß die Selbstherrlichkeit europäischer Kolonisatoren gegenüber den "niederen Rassen" in Afrika ideologisch den Boden bereitet hat für den nationalsozialistischen Völkermord. Dabei setzt er nicht gleich. Aber er vergleicht und zeigt Entwicklungen auf.

Sven Lindqvist

mehr zum Autor

26.06.1999, Neue Zürcher Zeitung
Sven Lindqvists Spurenreise in das "Herz der Finsternis"
"Die Geschichte der europäischen Zivilisation ist auch eine Geschichte des Massenmords. Wer daran noch irgendwelche Zweifel haben sollte, dem sei Lindqvists riskante und vortreffliche Expedition in die Vorgeschichte der Gegenwart dringend empfohlen."

06.05.1999, Die Weltwoche
"Schlagt die Bestien alle tot"
"Was Slobodan Milosevic im Kosovo anrichtet, ist zwar einmalig für die betroffenen Menschen, aber nicht neu in Europas Geschichte. Lindqvist zeigt auf, wie sich das entwickelt hat, was damals als Höhepunkt der Zivilisation verstanden wurde: das Zeitalter des Imperialismus."

24.04.1999, Tages-Anzeiger
Eine Reise ins Herz der Finsternis
"Lindqvist geht es nicht darum, die Einzigartigkeit des Holocaust in Frage zu stellen. Er zeigt vielmehr, dass die kolonialistische Expansion Europas und die damit verbundene Rechtfertigung des Völkermordes 'den Boden bereitet hat für die Ermordung von sechs Millionen Juden.'"

24.03.1999, Süddeutsche Zeitung
Rottet die Bestien aus
"Lindqvist verfügt so schwerelos wie planvoll über eine Vielfalt von Registern: impressionistische Skizzen, lapidare Reportagen, bittere Kommentare und entrückte Traumsequenzen, notiert in beinah lyrischer Verdichtung."

Doch wie vor ihm Huckleberry Finn, als er seinen Freund Jim rettete, so befand es auch Stanley für zu einfach, sich auf geradem Weg zu Emin Pascha durchzuschlagen, um ihm die Waffen und die Munition zu überbringen, die dieser erbeten hatte.
Statt dessen führte er die Expedition von Sansibar aus einmal rund um Afrika zur Mündung des Kongo, dann an den Wasserfällen vorbei zum schiffbaren Teil des Flusses. Von hier aus sollte die tonnenschwere militärische Ausrüstung mit Hilfe von Schiffen aus den Beständen König Leopolds und Trägern des Sklavenjägers Tippu Tip durch Ituri, den gefürchteten "Todeswald", einen Dschungel, in den zuvor noch kein Weißer je auch nur einen Fuß gesetzt hatte, in den Sudan gebracht werden.
Nur, daß es natürlich weder Boote noch Träger gab. Stanley mußte einen Großteil der Waffen und Gerätschaften im Kongo zurücklassen und sich mit einer kleinen Truppe auf eigene Faust durchschlagen.
Er selbst entstammte der britischen Unterschicht, war stämmig und muskulös wie ein Müllmann; die Jahre und seine Erlebnisse hatten Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Zu seinem Stellvertreter hatte er Major Bartellot ernannt, einen jungen Aristokraten, der sanft wie Seide und schön wie Adonis war - aber ohne jede Afrikaerfahrung. Warum?
Stanley verabscheute die englische Oberschicht und maß sich selbst an ihr. Vielleicht hoffte er mitansehen zu können, wie eine Kreatur dieser in seinen Augen degenerierten Klasse vom Leben im Dschungel gebrochen würde, wie ein Sprößling der Aristokratie seine feinen Manieren, seine über alles erhabene Zuversicht und seine Selbstbeherrschung verlor, um damit ein desto helleres Licht auf seine, Stanleys, Größe als Mann und Führer zu werfen.
In der Tat endete Bartellot als gebrochener Mensch. Zurückgelassen als Führer der Nachhut, versuchte er vergebens, die Disziplin der Truppe zu wahren, und wußte sich bald schon nicht mehr anders zu helfen als mit täglichen, grausamen Auspeitschungen. Sein Rassismus eskalierte, er wurde gehaßt, isoliert und schließlich umgebracht.
Stanley kämpft sich derweil durch die erstickende Hitze. Die Bäume tropfen vor Feuchtigkeit. Die Kleidung ist schweißnaß. Hunger, Durchfall und Eiterbeulen werden zu täglichen Qualen, nachts nagen die Ratten an den Füßen der Schlafenden.
Die Bewohner des Dschungels fürchten sich. Sie weigern sich, mit Stanleys Männern zu handeln oder ihnen als Führer zu dienen. Stanley kennt nichts als Gewalt. Um an Nahrung für seine Leute zu kommen, ermordet er schutzlose Menschen auf ihren Weg zum Markt, für ein morsches Kanu erschießt er wehrlose Männer.
Vielleicht war dies die einzige Chance, auf seinen Weg durchzukommen. Aber war es auch der einzige Weg, zum Ziel zu gelangen? Alle hatten versucht, Stanley die Route auszureden, für die er sich entschieden hatte. In seinem Ehrgeiz aber versuchte er das scheinbar Unmögliche und kalkulierte dabei Mord zwangsläufig mit ein - Mord, um an eine Ziege oder ein paar Bananenstauden zu kommen. Shackleton, der Erforscher des Südpols, war weit weniger eitel. Statt Leben zu opfern, bremste er sich und kehrte um. Stanley hingegen marschierte ungerührt weiter und ließ Berge an Leichen hinter sich.
Eine Aktion von der für Stanley typischen Grausamkeit war die Hinrichtung eines jungen Trägers wegen angeblicher "Desertion".

aus Teil II: Götter der Waffen

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Erscheinungstermin:
17.03.1999

Hardcover gebunden

230 Seiten, 9 Abb.

EAN 9783593361765

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