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Prolog: Eine Reise ins Zentrum der
Welt von heute und morgen
Der gute alte Anatole
Seit dem Erscheinen des ersten Buches Die Welt der Wirtschaft, das so viel für deinen Ruf getan hat, bist du zu einer jungen Frau voller Möglichkeiten geworden. Du stehst mit beiden Füßen fest im Leben. Gleichwohl hast du dir deinen gelegentlichen Hang zum Träumen bewahrt, und das ist auch gut so. An diese junge Dame also wende ich mich nun, und mit ihr an all diejenigen Menschen jeden Alters, die Lust haben, an dieser neuen Reise teilzunehmen. Ich lade dich also zu neuen Abenteuern ein, die uns allerdings über Wege führen werden, die breiter angelegt und stärker bevölkert sind als diejenigen, die wir während unserer ersten Expedition kennen gelernt haben. Was nicht heißen soll, dass diese Wege weniger beschwerlich wären.
Lass mich dir zu Beginn unser Ziel etwas genauer umreißen: Wir wollen im Labyrinth der Fragen, die die Globalisierung aufwirft, klarer sehen - in diesem Labyrinth von Fragen, die überaus komplex und facettenreich sind und doch zugleich im Stimmengewirr der Medien bis zur Unkenntlichkeit verkürzt werden. Ganz zu schweigen von den sie begleitenden Adrenalinschüben und Gefühlswallungen, die bei der Urteilsfindung nicht immer gute Ratgeber sind. Ich lade dich also zu dem Versuch ein, die tiefgründigen Strömungen ausfindig zu machen, die unsere Gesellschaften bewegen. Dadurch gelingt es uns vielleicht, zu erkennen, was dich in den kommenden Jahrzehnten erwarten wird. Oder anders gesagt, besser zu verstehen, welche Richtung deine Welt - die hoffentlich auch noch lange die meinige sein wird - einschlagen wird.
Doch worüber werden wir konkret reden? Über die Globalisierung natürlich, immer noch und immer wieder. Sie begegnet uns überall, wo wir sind, und sei der Weg noch so verschlungen. Woher kommt sie? Wo steht sie? Welche Richtung nimmt sie? Und vor allem: Wohin wird der gewaltige Sog uns führen, der in ihrem Kielwasser entsteht? Müssen wir die Entwicklung "regulieren", und wenn ja, wie? Und werden die neuen Technologien unser Leben nicht völlig verändern? Haben nicht längst die multinationalen Konzerne und der Markt das Heft in die Hand genommen und die Regierungen aufs Abstellgleis der Nebensächlichkeiten gedrängt? Ganz zu schweigen von all den internationalen Institutionen, die die Festungsmauern des Staats in Trümmer legen, die außerdem noch von den Nichtregierungsorganisationen, den berühmten NROs, und ihren charismatischen Anführern unter Beschuss genommen werden. Meine Güte, wie sehr unsere "Politiker" schrumpfen, wenn wir sie aus der Nähe betrachten! Alle nach demselben Muster, alle auf dem Weg zur "Weltgesellschaft", ohne den Geschmack und den Geruch der Gegend, aus der wir stammen. Und welche Rolle kann Europa bei alldem spielen? Kann und wird es zu einer Weltmacht werden?
Ach, und unsere Kultur! Wird sie gerade ausgelöscht? Müssen wir sie gegen die Bedrohungen der großen weiten Welt schützen wie ein kleines Kind? Auch hier stellt sich die Frage, wohin die Reise geht. Und kann man es zulassen, dass die Armut, diese schreckliche Geißel der Menschheit, wie eine Seuche wütet? Nicht nur in den armen Ländern, sondern ebenso in den reichen? Und im Übrigen - Frage aller Fragen -, was müssen wir tun, damit die Länder im südlichen Teil der Erde ihren Entwicklungsrückstand aufholen können? Was erwartet uns hier in den kommenden Jahrzehnten? Können wir sicher sein, dass die Entwicklung dieser Länder ohne weiteres mit Rücksicht auf die Menschenrechte, insbesondere die Rechte der Frauen und Kinder, stattfinden wird und dass dabei auch die natürlichen Lebensgrundlagen nicht unter die Räder kommen? Gerade der Schutz der natürlichen Umwelt ist auch eine Aufgabe der Industrienationen. In diesem Punkt sind wir uns alle vollkommen einig, du und ich und mit uns Millionen anderer. Aber wie wir sie schützen wollen, ohne uns in ökologisch angehauchten Utopien einer idyllischen Rückkehr zur Natur zu verlieren, ist noch völlig unklar. Also, werden wir in der Lage sein, "den Planeten zu retten"? Und sind im Zuge der Globalisierung, des Vormarschs der neuen Technologien und von Standortverlagerungen nicht auch unsere Arbeitsplätze in Gefahr? Wird die Arbeitslosigkeit bei uns auf ihrem heutigen hohen Niveau verharren müssen, angesichts all der Länder mit niedrigen Löhnen, die uns ständig in Bedrängnis bringen? Und wird die Einwanderung nicht zu unüberwindlichen Problemen führen? Ebenso wie der leicht betrübliche Umstand, dass man älter wird - das trifft auch dich -, ohne etwas dafür zu können?
Wie du siehst, stehen wir vor vielen großen Fragen, und unsere Zukunft ist nach wie vor höchst unsicher. Doch das ist wirklich kein Grund, den Mut zu verlieren. Glaub mir, heute, am Anfang des dritten Jahrtausends, ist die Zukunft nicht so düster, wie einige gewisse falsche Propheten uns weismachen wollen.
Wenn ich versuche, dich von meinem Standpunkt zu überzeugen, dann verbinde damit nicht die Sorge, dass ich dich mit langatmigen Vorträgen behelligen werde. Das würde nichts nützen, ganz im Gegenteil. Natürlich werde ich mich strikt um geistige Klarheit bemühen, doch das hat mit Langeweile nichts zu tun. Ernsthaft zu argumentieren und die Fakten zu respektieren bedeutet noch lange nicht, sich in die Rolle des missmutigen Grüblers zu begeben. Ich werde also Klartext reden, und ich werde zugleich versuchen, den Spruch des guten alten Anatole (des Schriftstellers Anatole France) Lügen zu strafen, der einmal sagte: "Ich drücke mich so klar aus wie ein kleiner Wasserlauf, dessen Klarheit daher rührt, dass er so wenig Tiefgang besitzt." Klarheit und Einfachheit soll nicht heißen, die Dinge zu simplifizieren und bei vorgefassten Meinungen stehen zu bleiben. Auch vor geistiger Nachlässigkeit wollen wir uns hüten. Meine Devise heißt: kurz und knapp, leicht verständlich und in freundschaftlichem Ton, doch mit dem Ernst, den die Sache gebietet. Anders gesagt, ich stelle mir vor, dass wir uns "ernsthaft die Zeit vertreiben".
Nun aber genug der Worte zur Methode. Es ist Zeit, dass wir uns in die Menge stürzen. Lass deine Vorurteile an der Garderobe zurück.