Die Geschichte des Dritten Reiches erzählt von Torsten Körner

nicht mehr lieferbar

Torsten Körner

Die Geschichte des Dritten Reiches erzählt von Torsten Körner

Die Geschichte des Dritten Reiches für Jugendliche

»Hat deine Familie für Hitler gestimmt, oder hattet ihr Angst vor ihm? Konnte man nicht wissen, welche Verbrechen die Nationalsozialisten vorbereiten? Mit welchen Gefühlen bist du in den Krieg gezogen? Habt ihr nicht gewusst, dass man eure jüdischen Nachbarn und Bekannten umbringt?«Um die Fragen junger Menschen zu beantworten, stellt Torsten Körner die wichtigsten Fakten aus Politik und Alltag Nazideutschlands zusammen. Dabei macht er eindringlich deutlich, warum uns das Dritte Reich noch lange beschäftigen wird.

Torsten Körner, Dr. phil., arbeitet als freier Journalist, Lektor und Autor in Berlin.

Torsten Körner
Dr. Torsten Körner, geboren 1965, ist Historiker und Germanist mit dem Spezialgebiet Geschichte der Filmindustrie zur Zeit des Dritten Reiches. Er veröffentlichte unter anderem Biografien von Franz Beckenbauer, Heinz Rühmann und Götz George. Torsten Körner lebt als freier Autor in Berlin.

mehr zum Autor

01.08.2001, Bücherbär
Geschichte des Dritten Reiches
"Ziel des Buches ist es, auf anspruchsvolle aber ansprechende Art zu informieren wie auch die alten Fragen neu zu stellen und neu zu beantworten, um so zu einer weiterführenden Auseinandersetzung anzuregen, nicht nur unter Jugendlichen."

01.01.2001, Eselsohr
Drittes Reich und Holocaust
"Eine gute Idee, die Geschichte des Dritten Reiches schlicht zu erzählen. Der Verfasser trifft durchweg den richtigen Ton."

27.12.2000, Wiener Zeitung
Geschichte des Dritten Reiches für Jugendliche
"Profund, doch ohne den jugendlichen Leser mit wenig oder gar keinen Vorkenntnissen zu überfordern, liefert der Autor eine Geschichte des Dritten Reiches."

03.12.2000, Welt am Sonntag
Wehmütig bin ich immer noch
"Eine klare, eindringliche Gesamtdarstellung."

06.11.2000, Süddeutsche Zeitung
Geschichte des Dritten Reiches
"Das Buch ist ein kleiner, großer Wurf: nachdenklich erzählt ohne gemütlich zu sein."

20.10.2000, Die Woche
Politische Jünger für den Führer
"Leicht lesbar, anschaulich und informativ zeichnet Körner den Weg des NS-Regimes nach."

Vorwort

Die Vorgeschichte
Hitler auf dem Weg nach oben
Wer hat die Weimarer Republik zerstört?
Machtübergabe und Machtergreifung
Der Hitlerstaat
Jugend im Dritten Reich
Auch das war Alltag im Dritten Reich
Vom Rassenwahn zum Holocaust
Hitlers Krieg
Lässt sich die Vergangenheit bewältigen?

Nachwort
Zeittafel
Glossar
Bücher zum Weiterlesen

Vorwort
Viel gesprochen hat er nie. Einen Tag nach meinem elften Geburtstag zog mein Großvater zu uns. Er war sehr krank, sein Gesicht war grau, gelblich, manchmal zitterten seine Hände, wenn er sich eine Zigarette ansteckte. Ob er mit meinem Bruder oder meiner Schwester mehr gesprochen hat als mit mir, weiß ich nicht, ich glaube es aber nicht. Immerhin war ich der einzige in der Familie, der sich zusammen mit ihm alle Fußballspiele im Fernsehen anschaute. Da waren wir Verbündete. Er saß dann weit vorgebeugt auf seinem Stuhl, riss und kaute nervös an den Fingernägeln. Er schimpfte: "Kannste vergessen. So nicht. Flaschen. Nee, nee, das wird nichts mehr!" Er glaubte eigentlich nie daran, dass unsere Mannschaft gewinnen könnte. Mich machte das wirklich wütend. "Hör auf! Sei doch mal still!" sagte ich und sah ihn böse von der Seite an. Er blickte auf den Bildschirm und schien mich gar nicht zu bemerken.
An meinem sechzehnten Geburtstag ist mein Großvater gestorben. War ich traurig? Ich hatte ihn kaum gekannt. Meine Mutter sagte: "Es ist wegen dem Krieg. Der Krieg hat ihn so gemacht." Mein Großvater hatte im Zweiten Weltkrieg in Russland gekämpft, er war gefangengenommen worden und erst nach fünf Jahren Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt. In der Gefangenschaft hatte er eine Krankheit bekommen, die seine Leber stark angriff. Daran war er schließlich auch gestorben. Als ich ihn einmal danach fragte, was er denn im Krieg erlebt habe, erzählte er mir von einem wilden Bären, den er und seine Kameraden damals gefangen hätten. Sonst nichts.
Erst viele Jahre später habe ich begriffen, dass das Leben meines Großvaters und die Bilder vom Krieg, die ich aus dem Fernsehen kannte, zusammengehörten. Mir war das vorher nie klar gewesen, obwohl ich diese Kriegsbilder sehr häufig gesehen hatte. Man blickte aus der Perspektive eines Flugzeugpiloten auf die Städte. Bomben, die wie schwarze Fische aussahen, fielen tiefer und tiefer. Manchmal konnte man sehen, wie sie auf dem Boden einschlugen. Dann sah man zerstörte Häuser, Ruinen überall, Trümmer. Menschen flüchteten. Sie zogen Handkarren hinter sich her, Mütter trugen winzige Kinder auf den Armen, alte Menschen schlurften ganz langsam an der Kamera vorbei oder saßen mit leeren Gesichtern auf Wagen, die von Pferden gezogen wurden. Die Flüchtlinge fürchteten sich vor den feindlichen Soldaten. Waren es deutsche oder russische Soldaten, die im Anmarsch waren? War mein Großvater ein Soldat, vor dem andere Menschen flüchten mussten? Hatte er andere Menschen getötet?
Es waren aber nicht nur die Bilder von Soldaten, flüchtenden Menschen und zerstörten Städten, die mir in Erinnerung blieben. Zu den Bildern kamen Wörter. Die Sprecher im Fernsehen sagten "Verbrechen", "Gaskammer" oder "Auschwitz". Dazu sah ich Bilder, die aus einer ganz anderen Welt zu kommen schienen, die mit meiner Welt wahrscheinlich nichts zu tun hatte. Oder doch? Ein Schaufelbagger schob menschliche Körper zusammen, als ob sie nur Müll seien. In einer Grube lagen Menschen, wild übereinander geworfen, Arme, Beine, Köpfe, alles unnatürlich verdreht.
Der Sprecher sagte, diese Menschen seien Juden gewesen und deshalb habe Hitler sie ermorden lassen. Plötzlich sah man Menschen, die Hitler zujubelten, sie riefen "Heil Hitler" und hoben den rechten Arm mit ausgestreckter Hand. Es waren Tausende, Zehntausende, die mit kleinen Fähnchen winkten, die sich nach vorne drängelten, um die glänzende Limousine des Führers besser sehen zu können. Hitler stand aufrecht in dem großen offenen Wagen, hielt sich vorne an der Scheibe fest und grüßte mit erhobenem Arm. Was hatten diese fröhlichen und begeisterten Menschen mit den Leichen zu tun, die übereinandergeworfen in den Gruben oder auf Haufen lagen? Hatten auch sie die Juden gehasst?
Unser Geschichtslehrer hatte noch als Siebzehnjähriger im Zweiten Weltkrieg kämpfen müssen. An der rechten Hand fehlten ihm zwei Finger, die ihm von einer Bombe abgerissen worden waren. Im seinem Unterricht erfuhr ich etwas über das "Dritte Reich". Dass es von 1933 bis 1945 gedauert habe. Am 30. Januar 1933 sei Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden, am 30. April 1945 habe er sich in seinem unterirdischen Bunker in Berlin eine Kugel in den Kopf geschossen. Was war in diesen zwölf Jahren geschehen? Die Deutschen und ihr Führer hatten über ganz Europa Krieg und Terror gebracht. Hitler entfesselte den Zweiten Weltkrieg, in dem mindestens 55 Millionen Menschen getötet wurden, so viele wie heute in den alten Bundesländern leben. Mehr als sechs Millionen Menschen wurden von den Deutschen umgebracht, nur weil sie Juden waren. Ich lernte, dass die Nationalsozialisten diesen millionenfachen Mord "die Endlösung" nannten. Was hatten ihnen die Juden getan?
Und wer genau waren eigentlich die Nationalsozialisten?[...]

zurück

Erscheinungstermin:
13.09.2000

Hardcover Halbleinen

171 Seiten, mit 52 Abb. und 2 Karten

EAN 9783593362748

€ 17,90

inkl. MwSt.

Versandkostenfreie Lieferung.
Für Ausnahmen siehe Details
Mengenpreis
nicht mehr lieferbar