Der Versuch, die Seele zu wiegen

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Len Fisher

Der Versuch, die Seele zu wiegen

und andere Sternstunden von Forschern und Fantasten

Übersetzt von Carl Freytag

Wenn Menschen in der Sekunde ihres Todes an Gewicht verlieren, so muss es wohl die Seele sein, die gen Himmel aufsteigt. Und immer sind es 21 Gramm! Diese und andere skurrile, aber folgenreiche Experimente schildert Len Fisher, Experte für ungewöhnliche »Alltagswissenschaft «.


Als Benjamin Franklin im Gewitterregen einen Drachen steigen ließ, dachte er sicher nicht an einen Blitzableiter – (er)fand ihn auf diese Weise aber trotzdem.Wie frühe Experimente mit Elektroschocks Mary Shelly zu ihrem Bestseller Frankenstein inspirierten und heute dazu dienen, Menschenleben zu retten, das weiß keiner so anschaulich und amüsant zu erzählen wie Len Fisher. Dabei hält er auch mit persönlichen Experimenten und Fehlschlägen nicht hinter dem Berg.

Len Fisher
Len Fisher forscht an der Universität Bristol. Das Spezialgebiet des gebürtigen Australiers ist Food Science. Aufgrund seiner exotischen Projekte – etwa zur optimalen Eintunkzeit für Kekse – ist der Physiker ein gefragter Interviewpartner in den Medien. 2003 erschien bei Campus sein Buch Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis.
mehr zum Autor

01.07.2006, Spektrum der Wissenschaft
Wissenschaftsgeschichte
"Len Fisher schafft auch in seinem neuen Werk den richtigen Mittelweg zwischen Unterhaltung und Information. Der Laie erhält auf unterhaltsame Weise Einblicke in die Grundlagen der Naturwissenschaften. Dem fachlich Versierten werden sich ganz neue Hintergründe erschließen."

01.03.2006, Bild der Wissenschaft
Von Forschern und anderen Verrückten
""Ein sehr vergnügliches Buch ... originell und zugleich fachlich gekonnt."

22.09.2005, Deutschlandradio
Geschichten über Forscher
"Anschaulich und amüsant widerlegt der Autor die Vorstellung, dass Wissenschaft nur auf harten Fakten beruht."

Inhalt


Vorwort9
Danksagungen13
1Das Gewicht der Seele15
2Bewegungen - am Himmel und auf Erden41
3Applaus für Newton66
4Wenn der Blitz ins Korsett einschlägt89
5Katzengold111
6Frankenstein lebt133
7Was ist Leben?158
8Mythen und Hypothesen der modernen Wissenschaft187

IFernwirkung190
IIKräfte192
IIIFelder193
IVWellen und Äther194
VEnergie196
VIAtome und Moleküle198
VIIImpuls200
VIIIRelativität202
IXQuantenmechanik204

Anmerkungen207

Vorwort



Jede Wahrheit durchläuft drei Phasen: In der ersten wird sie verlacht, in der zweiten wird sie wild bekämpft, und in der dritten wird sie als Selbstverständlichkeit akzeptiert.

Arthur Schopenhauer zugeschrieben1

Ich erzähle in diesem Buch Geschichten von Naturwissenschaftlern, deren Ideen bizarr und seltsam, ja geradezu verrückt erscheinen, die auf ihren Positionen beharrten, heftigen Widerspruch erfuhren und verlacht und bekämpft wurden. Einige der Ideen waren wirklich
verrückt, und die meisten von ihnen wurden schnell wieder vergessen - aber keineswegs alle! Andere, die zunächst völlig abwegig erschienen, überstanden alle Tests, denen man sie unterwerfen konnte, überlebten und wurden von Wissenschaftlern wie mir übernommen. Heute gehören sie zum selbstverständlichen Werkzeug für unsere Alltagsarbeit.
Die Annahmen, auf die sich heute die Wissenschaft stützt, kommen den Laien oft immer noch lächerlich vor. Meine Frau dachte das zum Beispiel, als sie eines Abends nach Hause kam und sah, wie ich mit dem Fahrrad die Straße hinunterfuhr, nachdem ich zuvor die Muttern an der Vorderachse abmontiert hatte.2 Ich erklärte einem Radioreporter, dass das Gesetz von Kraft und Gegenkraft, das Galilei und Newton entdeckt haben, dafür sorgt, dass das Rad an seinem Platz bleibt. Der Kommentar meiner Frau über die Wissenschaftler und ihren Mangel an gesundem Menschenverstand war kurz und bissig - und wurde getreulich aufgezeichnet und vom Sender übertragen.
Meine Frau hatte Recht: Das Denken der Naturwissenschaftler und der gesunde Menschenverstand gehen oft weit auseinander. Schuld daran ist in erster Linie die Natur selbst. Oft waren diejenigen, die irre klingende Theorien über sie aufstellten, dazu gezwungen, weil sie festgestellt hatten, dass die traditionellen Lehren oder der gesunde Menschenverstand schlicht und einfach unzureichend waren, um zu verstehen, was sich abspielte. Ihre Zeitgenossen, die ein Interesse an der Beibehaltung des Status quo hatten, waren gegenüber neuen Ideen nicht immer so aufgeschlossen, wie es uns das populäre Bild des unvoreingenommenen, rationalen Naturwissenschaftlers glauben macht. Die Schicksale derer, die sich mit neuen Ideen anfreundeten, reichten vom Verlust des Arbeitsplatzes bis zum Verlust des Lebens. Ihre Geschichten widerlegen den weit verbreiteten Irrglauben, dass der Fortschritt in der Wissenschaft nach strenger Ordnung und nach logischen Regeln verläuft. Die Wissenschaft gleicht eher einer Prozession: Einige führen sie an, und viele laufen im Tross hinterher. Mein Buch folgt dem Weg dieser Prozession, die immer, wenn sie auf die Barriere einer revolutionären neuen Idee stößt, ihre Richtung ändert. Es erzählt die Geschichten derjenigen, die sie zu den Richtungsänderungen gezwungen haben, und es zeigt, dass viele der neuen Ideen, die dem gesunden Menschenverstand entgegenzulaufen schienen, heute von der Wissenschaft verwendet werden, um ihre alltäglichen Probleme zu verstehen und zu lösen. Die Geschichten zeigen auch, wie es wirklich zu den Entdeckungen kam, bei denen oft das Geniale mit dem Bizarren zusammentraf und wir nur im Nachhinein zwischen beidem unterscheiden konnten. Die Botschaft ist, dass wir ein gewisses Maß an lächerlichen Dummheiten zulassen müssen, wenn wir nicht tiefe Einsichten und Entwicklungen verpassen wollen. Solange wir noch nicht beurteilen können, ob es sich um eine Verrücktheit oder um einen genialen Einfall handelt, ist es vielleicht besser, nicht zu laut zu lachen.
Anmerkungen zum Gebrauch des Buches

Ich bin kein Historiker, sondern Naturwissenschaftler. Wenn ich also über Forscher früherer Zeiten schreibe, tue ich das aus meiner naturwissenschaftlichen Perspektive. Ich berufe mich auf ihre Tagebücher, Veröffentlichungen und Notizen und habe dabei oft festgestellt, dass die Forscher damals in der gleichen Weise wie heute gedacht haben, dass wir aber heute mit anderen Fragen konfrontiert werden und ein anderes Verständnis davon haben, wie die Welt ›funktioniert‹. Ich war besonders beeindruckt von den Parallelen beim Kampf, das Wesen der Natur zu verstehen. Das Vorgehen in früheren Zeiten ähnelt sehr meinen eigenen - allerdings weniger erfolgreichen - Anstrengungen, die ich als Kind machte, um die Welt zu verstehen. Die Themen reichen von der Bewegung, die Galilei untersucht hat,
über das Licht bis zu Raum und Zeit, die von Einstein erhellt wurden. Ich erzähle deshalb auch einige Geschichten aus meiner Kindheit, um Ihnen zu zeigen, dass es nicht notwendigerweise falsch ist, wissenschaftliche Fragen wie ein Kind anzugehen. Um Sie zu trösten: Man muss kein Genie sein, um die Naturwissenschaften zu verstehen, es genügt ein wenig Hartnäckigkeit - und der Wille, etwas herauszufinden.3

Cover, reprofähig

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Erscheinungstermin:
15.08.2005

Hardcover gebunden

263 Seiten

EAN 9783593377650

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