Fünf nach zwölf

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Christoph Lauterburg

Fünf nach zwölf

Der globale Crash und die Zukunft des Lebens

Die gesellschaftlichen und ökologischen Megatrends werden zu einem weltweiten Crash führen. Es gibt weder Instrumente noch Instanzen, die ihn verhindern könnten. Dies belegt der Autor mit einer Fülle von Material. Er beschreibt, wie man emotional mit einer solchen Zukunftsperspektive umgehen kann und was es für Überlebensmöglichkeiten gibt. Die Evolution des Lebens auf diesem Planeten wird nach dem Zusammenbruch weitergehen.

Christoph Lauterburg
Christoph Lauterburg ist selbstständiger Organisationsberater. Spezialisiert auf die Begleitung von Entwicklungsprozessen berät er angesehene Unternehmen sowie staatliche Institutionen beim strukturellen und kulturellen Umbau. Zusammen mit Klaus Doppler ist er ein führender Kopf auf dem Gebiet der Organisationsentwicklung. Christoph Lauterburg wohnt in Freienstein (Schweiz).
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Viele Menschen spüren heute, daß die Situation auf diesem Planeten sich gefährlich verändert. Zwei Vorgänge bedrohen längerfristig unsere Existenz:
Die Zerstörung unserer biologischen Lebensgrundlagen und der Zerfall unserer gesellschaftlichen Strukturen. Die globalen Entwicklungen, die dahin führen, entziehen sich einer wirksamen Steuerung und Kontrolle.
Die Weltbevölkerung ist längst viel zu groß, um ohne Plünderung und Zerstörung der natürlichen Ressourcen lebensfähig zu sein. Die Weltmeere sind weitgehend leergefischt, die letzten Regenwälder verschwinden, die Böden erodieren, Trinkwasser wird knapp, der massive Einsatz fossiler Brennstoffe vergiftet die Atmosphäre, die Zersetzung der Ozonschildes wird zur Gefahr für Pflanzen, Tiere und Menschen.
Es gibt Prognosen, wonach sich die Weltbevölkerung innerhalb der nächsten zwei bis drei Generationen nochmals verdoppeln soll. Grenzenlose Armut, Verelendung, Umweltzerstörung und Massensterben werden es aber möglicherweise gar nicht so weit kommen lassen. Gleichzeitig vollzieht sich eine dramatische Veränderung der Lebensbedingungen. In 25 Jahren werden zwei Drittel der Menschen in Millionenstädten leben - und hier wiederum die große Mehrheit in Slums, einer Welt, die geprägt ist von mangelnder Hygiene, Alkohol, Drogen, Gewalt und organisiertem Verbrechen. Aber auch in den bürgerlichen Schichten zerfallen die natürlichen Familienstrukturen. Immer weniger Kinder können sich zu liebes-, arbeits- und gesellschaftsfähigen Menschen entwickeln.
In den sogenannten reichen Industrieländern sind die Zeiten des Wohlstands vorbei. Automation und Auslagerung von Arbeitsplätzen führen zu einer zunehmenden Arbeitslosigkeit. In fünfzehn bis zwanzig Jahren wird wahrscheinlich nur noch rund ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung Arbeit finden. Der Staat wird mit horrenden Kosten belastet und verliert gleichzeitig seine Einkommensbasis. In allen Staatshaushalten klaffen aber bereits heute erschreckende Lücken.
Die Akkumulation eines nachgerade obszönen Reichtums bei einer kleinen Minderheit, die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten und der Zustrom von Menschenmassen aus fremden Kulturen führen zu einem gewaltigen sozialen und politischen Sprengpotential. Die staatlichen Institutionen, vorab die Sicherheitsorgane, die Rechtsprechung und der Strafvollzug, sind bereits heute überlastet. Parallel dazu hat sich die organisierte Kriminalität zu einer schwerwiegenden gesellschaftlichen Bedrohung entwickelt. Der Punkt, an dem der Staat nicht mehr in der Lage sein wird, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten, ist absehbar.
Ich spreche nicht vom Weltuntergang. Es wäre vermessen, zu glauben, der Mensch sei in der Lage, die Welt untergehen zu lassen. Im Gegenteil: Der Mensch wird es nicht einmal schaffen, die Erde untergehen zu lassen. Womit wir zu rechen haben, ist eine Zeit des Hungers und der Epidemien, der kämpfe um Ressourcen, des Terrors, der Bürgerkriege und des Faustrechts. Dies alles hat übrigens längst begonnen. Neu daran ist lediglich, daß auch wir, die Menschen in den reichen Industrienationen, direkt betroffen sein werden.
Dieses Buch will Erklärungen anbieten für das, was passiert ist, und wie es voraussichtlich weitergehen wird...
Es ist Mode, Bücher über Situationen auf diesem Planeten mit Rezepten zu beschließen, wie die Menschheit gerettet werden könnte. Diese Rezepte, die manchmal anmuten wie etwas lang geratene Wunschlisten an den Weihnachtsmann, sind nie falsch. Sie haben nur einen Makel: Sie werden nie und nimmer umgesetzt. Im Jahre 1972 erschien der erste Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit: Die Grenzen des Wachstums. Er enthielt alle wichtigen Hinweise darauf, was kommen würde - und was zu tun sei, um das Schlimmste zu verhindern. Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Unzählige weitere Hiobsbotschaften sind dazugekommen, und das Fazit lautete mit schöner Regelmäßigkeit: Es ist fünf vor zwölf - 25 Jahre lang. Nun, heute ist es fünf nach zwölf.
Die Menschheit ist ein viel zu großes und komplexes Gebilde, um sich organisieren zu können. Die Besatzung des Raumschiffes Erde als eine sich selbst ordnende und steuernde Schicksalsgemeinschaft ist eine Utopie. In einer derart hochvernetzten Welt wäre Solidarität eine Überlebensnotwendigkeit. Aber es gibt ein uraltes Gesetz, welches die Dinge auf diesem Planeten auf andere Art und Weise regelt - im täglichen Leben genauso wie in der hohen Politik. Erstens: Diejenigen, denen es gut geht, unterlassen alles, was zu einer grundlegenden Veränderung führen könnte. Zweitens: Diejenigen, denen es nicht gut geht, haben keine Macht. Drittens: Wenn es allen schlecht geht, weil alles aus den Fugen gerät, ist es für eine friedliche Lösung zu spät. Wir gehören im Moment zu denjenigen, denen es gut geht.
Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung - nicht für alle Menschen zwar, aber die hat es ohnehin noch nie gegeben.[...]

Autorenfoto, reprofähig

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Erscheinungstermin:
09.09.1998

Paperback

315 Seiten

EAN 9783593360591

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