Daniel Altman
24 Stunden
Wie die globale Wirtschaft funktioniert
Übersetzt von Petra Pyka
Mittwoch, der 15. Juni 2005. Ein neuer Tag beginnt – und während die meisten Menschen in New York noch schlafen, brummt die Wirtschaft anderswo bereits auf Hochtouren. Dieses spannende Buch zeigt: Nichts bleibt in der Weltwirtschaft ohne Auswirkungen auf den Rest der Welt.
Daniel Altman
Daniel Altman ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und schreibt regelmäßig für den International Herald Tribune. Er war leitender Redakteur beim Economist und der New York Times sowie Berater der britischen Regierung. Er lebt in New York, Hong Kong und Buenos Aires.
mehr zum Autor
30.11.2007, Financial Times Deutschland
Wenn in China ein Sack Reis umfällt
"Daniel Altman gelingt, was viele Autoren vor ihm vergeblich versucht haben: Globales Wirtschaften über individuelle, lokale Statements fassbar zu machen und gleichzeitig auf die großen Fragen der Weltwirtschaft einzugehen."
23.11.2007, Bilanz
24 Stunden
"Anschaulich und analytisch."
01.11.2007, Manager Magazin
Business, rund um die Uhr
"Ein gutes Erklärbuch für Leser, die bereit sind, einen Gedanken auch mal über mehrere Seiten zu verfolgen."
13.10.2007, Süddeutsche Zeitung
Ganz global für einen Tag
"Ein dichtes und differenziertes Bild der Abläufe und Entscheidungen der täglichen Globalisierung ...flott und verständlich geschrieben."
07.10.2007, Welt am Sonntag
Globalisierung in Echtzeit
"Eine informative Rundreise. Altmans mikroskopischer Blick auf die Schlagzeilen eines einzigen Tages gibt den Blick auf die Zusammenhänge der globalen Wirtschaft frei."
04.10.2007, Rheinischer Merkur
Wie von Zauberhand
"Der Harvard-Ökonom erklärt, wie Finanzmärkte funktionieren, wer die Geldmengenpolitik bestimmt und wie politisches und wirtschaftliches Gleichgewicht zusammenhängen."
23.09.2007, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
In 24 Stunden um die Welt
"Wer dieses Buch zu Ende liest, hat viel gelernt."
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Vorwort
Zeitungen und Fernsehberichte überschwemmen uns täglich mit einer Flut von Zahlen, die vorgeblich der Information der Öffentlichkeit über die weltwirtschaftliche Lage dienen sollen. Die Börsenindizes, Arbeitsmarktzahlen, Zinssätze, Quartalsgewinne, Handelsdefizite und weiteren Angaben erinnern an eine Batterie von Thermometern, deren Anzeigen teils nach oben, teils nach unten ausschlagen. Nur eines verraten all diese Werte leider nicht - nämlich, wie die globale Wirtschaft wirklich funktioniert.
Was aber, wenn Sie einen Blick hinter die Kulissen werfen könnten - einfach den Vorhang wegziehen wie Dorothy im Zauberer von Oz? Was, wenn Sie die globale Wirtschaft für einen Moment anhalten könnten - gerade lang genug, um sie in Ruhe zu betrachten? Dann bekämen Sie vielleicht eine realistische Vorstellung von den Zusammenhängen und Abhängigkeiten. Sie könnten erkennen, dass die Weltwirtschaft einer riesigen Maschine gleicht, die aus sechs Milliarden verzahnten Rädchen aller Größen besteht - den Akteuren, die daran beteiligt sind. Wenn Sie das Standbild dann wieder in Bewegung setzen, fangen diese Rädchen an zu laufen: Die Menschen fangen an zu arbeiten.
Manche Rädchen sind größer, manche kleiner, doch keines ist verzichtbar. Um eine andere Metapher zu strapazieren: Denken Sie an den sprichwörtlichen Schmetterling, dessen Flügelschlag in der Luft über Australien im 1?500 Kilometer entfernten Golf von Mexiko einen Wirbelsturm auslösen kann. Wie die Erdatmosphäre ist auch die Wirtschaft ein geschlossenes System - alles hängt zusammen, und jede Handlung eines Einzelnen zeigt unmittelbare Auswirkungen auf alle anderen.
Dieser Umstand wird trotz der üppigen Sendezeit für einschlägige Fernseh- und Radiokommentare nicht immer deutlich - und ebenso wenig in den zahllosen Artikeln und Büchern über das Phänomen, das schwammig als Globalisierung bezeichnet wird. Darin werden aus der Distanz gewonnene Meinungen propagiert, die Ihnen sagen sollen, was Sie zu denken haben. In der resultierenden Debatte wird die Globalisierung wahlweise verherrlicht oder verteufelt. Diese Pauschalisierung hilft aber nicht, sich in der im Wandel begriffenen Welt zurechtzufinden.
Die lediglich empirisch offensichtliche Wahrheit ist, dass die Kräfte, die gern mit dem Begriff "Globalisierung" umschrieben werden - die Integration der Märkte, die Verbreitung von Ideen, die Formalisierung des Welthandelssystems und was sonst noch alles darunterfällt -, von Dauer sein werden. Die hurrapatriotischen Parolen der eingefleischten Anhänger des Laisser-faire sind dabei ebenso undifferenziert wie das Gebrüll der schwarz vermummten Demonstranten bei wichtigen Handelsgipfeln. Ähnliches ist aber auch vielen Experten vorzuwerfen. Ihre genialen Konzepte und Gemeinplätze können die Realität einer so vielgestaltigen Welt kaum erfassen, und ihre Einstellung, dass es nur eine Auffassung zu diesen radikalen Umwälzungen unserer Zeit geben kann, ist ziemlich arrogant. Wäre es nicht vielleicht besser - und interessanter obendrein -, sich einen Überblick über die Fakten zu verschaffen und anschließend selbst ein Urteil zu bilden?
Dieses Buch liefert Ihnen die nötigen Zutaten. Für einen Tag - den 15. Juni 2005 - präsentiert es Ihnen 14 Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Im Anschluss erfahren Sie, inwiefern jede einzelne dieser Momentaufnahmen in Wirklichkeit viel mehr darstellt - nämlich einen Trend oder eine Wahrheit, welche die gesamte Weltwirtschaft betrifft. Außerdem lernen Sie die Menschen kennen, die an den Rädchen drehen - überall auf der Welt, von Damaskus bis Dili, von Brüssel bis Bangkok. Sie erzählen in eigenen Worten, wie ihre Aktivitäten ins große Bild passen. Sie erhalten Einblicke aus ganz verschiedenen Perspektiven - von der des Chefs einer Zentralbank aus den Schaltstellen der Macht bis hin zu der des armen Arbeitsmigranten in einer Industriestadt. Sie werden nicht nur mit den Entscheidungen dieser Menschen konfrontiert, sondern auch mit ihren Beweggründen. Nebenbei werden Ihnen im Schnelldurchlauf die wichtigsten Handelsplätze vorgeführt, welche die globale Wirtschaft vernetzen: die Märkte für Aktien, Kredit, Devisen und Öl.
Jedes Kapitel bemüht sich dabei um neue Fragestellungen. Durch einen kontraintuitiven Ansatz sollen Sie unkonventionelle Erkenntnisse abseits des Getöses der laufenden Debatten gewinnen - etwa dazu, ob ein armes Land zu schnell reich werden kann, ob Unternehmen Krisen brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ob Korruption auch gute Seiten haben kann oder ob Wirtschaftswachstum in jedem Fall den Lebensstandard hebt.
Dieses Buch will Ihnen nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben. Es könnte Ihnen aber helfen, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Es behauptet nicht, die Antworten auf die drängenden Fragen zu kennen, aber es könnte dazu beitragen, dass Sie für sich die eine oder andere Antwort finden. Mitbringen müssen Sie dafür nur Neugierde, Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, Ihre Gedanken zum 15. Juni 2005 zurückwandern zu lassen. Bei Anbruch dieses Tages um Mitternacht in New York schliefen die meisten Einwohner der Finanzhauptstadt der Erde. Aus anderen Teilen der Welt strömten aber schon Daten und Fakten über die globale Wirtschaft. Milliarden von Querverbindungen warfen bereits ihre Schatten auf New York…
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