Die sieben Knappheiten

nicht mehr lieferbar

Henrik Müller

Die sieben Knappheiten

Wie sie unsere Zukunft bedrohen und was wir ihnen entgegensetzen können

Die Zukunft ist nicht ungewiss. Einiges wird knapp werden, das steht schon jetzt fest. Die Globalisierung, das Klima, die demografische Entwicklung stellen uns vor ganz neue Herausforderungen. Wie können wir ihnen begegnen?

Sieben Knappheiten bedrohen unsere Zukunft: Arbeitskraft, Energie, Land, Wasser, Zeit, Geist und Macht. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Henrik Müller, renommierter Redakteur des manager magazins, sagt wie: mit sieben Tugenden, die uns helfen werden, den Wandel dieser Welt zu meistern. Mit Arbeit, Sparsamkeit, Kreativität, Offenheit, Solidarität, Originalität und Kooperation. Müller zeigt in einem spannenden und fundierten Zukunftsszenario ganz konkret, wie das geht. Denn vieles, was kommt, mag bedrohlich sein – mit dem richtigen Herangehen können wir es aber schaffen.

Henrik Müller
Henrik Müller ist promovierter Volkswirt und stellvertretender Chefredakteur des manager magazins. Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er schreibt das Blog »Müllers Welt« und ist Autor mehrerer Bücher, darunter »Die sieben
Knappheiten« (Campus, 2008).
mehr zum Autor

06.12.2008, Süddeutsche Zeitung
Das Geld ist willig, der Geist ist schwach
"Müllers kluge, faktenreiche und gut geschriebene Analyse rüttelt an alten Gewissheiten."

03.11.2008, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die geistreiche Globalisierung
"Höchst anschaulich beschreibt der Autor globale Entwicklungen."

09.10.2008, Rheinischer Merkur
Gelassen bleiben
"Müller erzählt lebendig und bricht in exzellenter journalistischer Manier die großen globalen Entwicklungen auf einzelne Personen herunter."

download
Einleitung


Irgendwann muss Schluss sein. Schluss mit all den Veränderungen und Zumutungen, Schluss mit Reformen, Verteilungskämpfen und Streit. Wer sehnt sich nicht nach Ruhe und Stabilität, nach Verlässlichkeit und Geborgenheit in diesen Zeiten? Es scheint, als wünschten sich viele einen kosmischen Trick, der die Zeit rückwärts laufen ließe: Die Welt möge sich wieder in jenen Ort zurückverwandeln, an dem wir vor 1980 geborenen Westler aufgewachsen sind, einen Ort, an dem das Leben geordnet und sicher war. Okay, es herrschte Kalter Krieg, es gab Studentenproteste, Terrorwellen und Rezessionen. Aber insgesamt war die Zeit zwischen 1950 und 1990 eine gemütliche Phase, so jedenfalls stellt sie sich in der Rückschau dar. Dort wollen wir wieder hin. Zurück zu einem Zustand, den wir für die Normalität halten.
Normalität, Stabilität, Sicherheit - dies sind keine Begriffe, die zur Gegenwart passen. Wir sind Zeugen und Teilnehmer einer Phase, die nur vergleichbar ist mit großen Umwälzungen der Weltgeschichte: mit der Industrialisierung, mit der Renaissance und der Völkerwanderung. Wir erleben einen Wandel, der so rasch und so tiefgreifend vor sich geht, wie wir es noch nie erfahren haben. Die Menschen empfinden diese Veränderungen als Bedrohung. Zukunftsängste machen sich breit. Überall im Westen haben die Bürger das Gefühl, es laufe etwas schief in dieser verrückten Welt. Eine große Mehrheit der US-Amerikaner ist der Meinung, ihr Land entwickle sich in die falsche Richtung.1 Zwei Drittel der Europäer fürchten, die nächste Generation werde es schwerer haben im Leben als die heute Erwachsenen; in Deutschland sind es sogar mehr als 80 Prozent.2
Aber Hoffnungen auf eine Rückkehr zur geordneten Welt des späten 20. Jahrhunderts sind illusionär. Denn die Ära des großen Wandels beginnt gerade erst. Sie ist geprägt von drei großen Trends, die sich wechselseitig verstärken und überlagern:
Die Globalisierung tritt in ihre nächste Stufe; sich rasch entwickeln-de Schwellenländer und Rohstoffexporteure fordern den Westen heraus. Autoritär regierte Staaten wie China und Russland gelangen zu Wohlstand und Macht, sie verändern die internationalen Spielregeln. Und sie konkurrieren aggressiv um das immer engere Angebot an Ressourcen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen wiederum gefährden die politische Stabilität: in nicht-demokratischen Staaten, weil die Bürger mehr Mitspracherechte fordern; in hochentwickelten westlichen Ländern, weil die zunehmend ungleiche Verteilung der Einkommen, Vermögen und Chancen das Vertrauen ins freiheitliche politische und ökonomische System unterminiert. Konflikte, auf die die westlichen Länder nicht vorbereitet sind.
Der demografische Wandel, der lange absehbar war und über den schon viel gesprochen und geschrieben wurde, bestimmt ab jetzt tatsächlich die Realität. Die Alterung der Gesellschaften schreitet rasch voran. In den kommenden Jahrzehnten werden große Teile der Welt diese Entwicklung erleben: Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung führen dazu, dass der Anteil der Menschen im produktivsten Alter schrumpft. Mit kaum zu überschätzenden Folgen für jeden Einzelnen.
Die Klimakrise spitzt sich zu. Auch wenn die Modellrechnungen der Forscher im Detail umstritten bleiben: Dass die Anreicherung der Atmosphäre mit Kohlendioxid und anderen Gasen die klimatischen Bedingungen auf der Erde beeinflusst, gilt inzwischen als gesicherte Erkenntnis. Der rasche Anstieg des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen droht alle bisherigen Prognosen über den Klimawandel zu übertreffen. Während die Auswirkungen des Treibhauseffekts - Erwärmung, Dürren, Stürme, Überflutungen - nur allmählich spürbar werden, wirkt die Klimapolitik unmittelbar in der Gegenwart: Der Übergang zu klimaschonenderen Wirtschaftsstrukturen und Lebensweisen wird langwierig, teuer und ungemütlich.
Das Zusammenwirken dieser drei Großtrends beschert der Welt überraschende Wendungen. Die Rohstoffkrise zum Beispiel, die sich Anfang 2008 zuspitzte, hat in ihrer Intensität niemand vorhergesehen. Dass die Preise für Weizen, Reis oder Mais, für Rohöl, Eisenerz, Kupfer oder Rhodium sich binnen weniger Monate vervielfachen würden, dass Hunderte Millionen Menschen von Hunger bedroht sein würden, dass eine Art weltumspannender Handelskrieg um Rohstoffe ausbrechen würde - auf dem Radar der Prognostiker hatte das nicht aufgeleuchtet. Die Krise illustriert, wie die drei großen Trends zusammenwirken: Die derzeit günstige Demografie großer Schwellenländer (der Anteil der produktiven mittleren Generation ist nahe dem Maximum, bevor die Alterung auch dort einsetzt) treibt das Wirtschaftswachstum an. Der Wohlstand steigt, die Menschen verbrauchen mehr Energie, fragen mehr Produkte nach und ernähren sich aufwändiger. Kurz: Sie leben ressourcenintensiver als früher. Parallel dazu veranlasst der Klimawandel Europäer, Nordamerikaner und zunehmend auch viele Schwellenländer, Erdöl teils durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen - Agrarprodukte werden nun nicht nur für die Lebensmittelproduktion genutzt, sondern auch zum Betrieb von Verbrennungsmotoren. Und Jahre der Dürre, insbesondere in Australien, haben zu Ernteausfällen geführt; auch dies mutmaßlich durch die Klimaveränderungen verursacht. Die Globalisierung wiederum übersetzt diese regionalen Phänomene in einen erdumspannenden Effekt: Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen treibt die Preise weltweit in die Höhe; offene Finanzmärkte ziehen Anleger und Spekulanten an, die auf weiter steigende Preise setzen und die Rohstoffnachfrage zusätzlich anheizen, sodass die Preise noch stärker steigen?... und die Erwartung der Knappheit zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.
Derzeit ist wieder einmal von den "Grenzen des Wachstums" die Rede. So wie in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als der Club of Rome seinen gleichnamigen Bericht vorlegte. Und klingt es angesichts der jüngsten Rohstoffkrise nicht überzeugend, dass die Erde heute, da sie von knapp 7 Milliarden Menschen bevölkert wird, nun endgültig überfordert sei?
Aus Sicht des Ökonomen ist die Formel von den "Grenzen des Wachstums" irreführend. Dass der Zuwachs des Wohlstands phasenweise an Grenzen stößt, dass die Nachfrage schneller steigt als das Angebot, was sich in steigenden Preisen und in höheren Inflationsraten niederschlägt und typischerweise in einer Rezession endet - das ist nichts Neues. Im Gegenteil, es ist eine normale Entwicklung im Laufe jedes Konjunkturzyklus - ein Phänomen von meist kurzer Dauer, das keine Strukturbrüche beschreibt, sondern eine Überhitzungsphase. Aber genau das durchlebt die Welt derzeit: einen Strukturbruch. Die drei Trends Globalisierung, demografische Wende und Klimakrise verändern die Gegenwart in vielerlei Dimensionen; die Engpässe bei der Versorgung mit Rohstoffen sind nur ein Ausdruck dieses Wandels.
Wohin führen die drei Megatrends auf längere Sicht? Dieses Buch sucht Antworten, indem es die große Frage auf das Grundproblem der Ökonomie übersetzt, und das lautet: Wie gehen Menschen mit Knappheiten um? Wenn etwas zunächst reichlich vorhanden ist, dann aber knapp wird, steigen typischerweise sein Wert, seine Wertschätzung und sein Preis. Dann verändern Menschen ihr Verhalten. Dann schaffen sie sich Institutionen, um den Knappheiten geordnet begegnen zu können. Knappheiten zwingen dazu, bisherige Gewissheiten in Frage zu stellen. Knappheiten stellen faktische Zwänge dar, auf die Einzelpersonen, Gesellschaften, Regierungen und Unternehmen reagieren müssen. Sie schaffen, was bloße Einsichten und moralische Appelle nicht zustande bringen.
Deshalb blickt dieses Buch in die Zukunft, indem es die Veränderungen anhand von sieben Knappheiten analysiert, nämlich:

Menschen. Das gab es noch nie in der Geschichte: Menschen im leistungsfähigsten Alter werden knapp, während die Weltbevölkerung absolut noch wächst. Beginnend in Mittel- und Osteuropa verändert sich die Alterszusammensetzung der Gesellschaften. Zwar gab es auch früher Phasen, in denen ganze Jahrgänge junger Männer ausgedünnt waren, weil viele in Kriegen ihr Leben lassen mussten. Doch diesmal ist die Entwicklung von Dauer, weil die Menschen weniger Kinder bekommen und parallel dazu die Lebenserwartung steigt. Eine solche Konstellation ist eine historisch neue Erfahrung. Eine Folge dieser Entwicklung: Das heutige Lebensmodell des Westens - überdehnte Jugend- und Ruhestandsphasen, relativ kurze Erwerbsphase - ist nicht zu halten.

Geist. Obwohl sich im Zuge der Globalisierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zahl der Menschen, die am internationalen Austausch teilnehmen, vervielfacht hat, ist bislang wenig wirklich Interessantes dabei herausgekommen, denn die allermeisten dieser neuen Globalisierungsteilnehmer sind kaum qualifiziert. Die offene Weltwirtschaft ist bislang eine ziemlich triste Veranstaltung, die sich darauf beschränkt, die immer gleichen Dinge zu tun, nur eben immer billiger. Knapp sind gebildete Menschen; knapp sind vor allem freie, offene Geister. Eine Geist-reichere Globalisierung ist eine vielversprechende Vision. Der Weg dahin wird noch blockiert von vielen Defiziten, gerade in Deutschland.

Pressetext (PDF)

Cover, reprofähig

Autorenfoto, reprofähig

Weitere Empfehlungen

zurück

Erscheinungstermin:
15.09.2008

Hardcover gebunden

312 Seiten, 10 Grafiken

EAN 9783593386867

€ 24,90

inkl. MwSt.

Kostenlose Lieferung. Für Ausnahmen siehe Details Mengenpreis
nicht mehr lieferbar