Tanz der Riesen

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Karl H. Pilny

Tanz der Riesen

Indien und China prägen die Welt

Der Schwerpunkt der globalen Wirtschaft verschiebt sich immer mehr auf den asiatischen Raum, vor allem auf Indien und China. Dieses Buch analysiert erstmals Wirtschaft, Politik und Kultur der beiden Länder sowie deren Beziehungen zueinander und leitet daraus Szenarien für die Weltwirtschaft und die globale Politik ab.

Karl H. Pilny
Dr. Karl H. Pilny, Autor von Das asiatische Jahrhundert (Campus 2005), ist ein profunder Kenner Asiens, der sich beruflich seit 20 Jahren mit der Geschichte, Kultur und wirtschaftlichen Entwicklung der Region beschäftigt. Er ist Partner einer renommierten englischen Anwaltskanzlei, die sich auf internationales Wirtschaftsrecht spezialisiert hat.
mehr zum Autor

06.07.2007, Das österreichische Industriemagazin
Tanz der Riesen
"Der Berliner Wirtschaftsjurist Karl H. Pilny war einer der ersten Autoren, der auf die Vormachtstellung der beiden Wirtschaftsriesen Indien und China aufmerksam gemacht hat."

01.01.2007, Bilanz
Tanz der Riesen
"Eine fundierte Übersicht über den asiatischen Strukturwandel."

11.12.2006, Das Parlament
Mit Riesenschritten gen Westen
"Anders als viele Publikationen zu dieser Materie vermeidet Pilnys glänzend geschriebene Darstellung Dämonisierungen und Übertreibungen."

Inhalt



Prolog 9


Indien - Callcenter der Welt

Indien gestern 18

1.Vom Altertum zur frühen Neuzeit 18

2.Die Kolonialisierung des Subkontinents 24

3.Der Weg zur Unabhängigkeit Indiens 26

Indien heute 36

1.Wirtschaft 37
Innen 37
Außen 48
Probleme 62
Infrastruktur 62 · Energie und Umwelt 66 · Haushalt 68
Chancen 69
Schlüsselbranchen 69 · Weichenstellungen 76
Banken und Finanzen 80
Aktien 83 · Immobilien 89
Ausblick 91

2.Politik 94
Innenpolitik 94

Politisches System 94 · Regierung Singh 98 · Separatistische Bewegungen 104
Außenpolitik 109
Verteidigung 110 · Kaschmir 113 · Nepal 118
3.Gesellschaft 120
Hindus und Kastenwesen 122
Stadt und Land 124
Werte und Wandel 127

Indien morgen 136

1.Wirkung nach innen 136

2.Wirkung nach außen 139


China - die Weltfabrik

China gestern 149

China heute 152

1.Wirtschaft 152
Superlative 152
Wachstumsfaktoren 158
Standort China - Euphorie und Ernüchterung 172
Haier und Higher 180
Bankensektor und Aktienmarkt 183

2.Politik 194
Innenpolitik 195

Soziale Spannung 201 · Umweltkatastrophen und Rohstoffknappheit 207
Außenpolitik 215
Verteidigung 220 · Währungspolitik 222 · Groß-China 228

3.Gesellschaft 235
Bevölkerungsstruktur 235
Konfuzius, Kommunismus und Globalisierung 237

China morgen 247

1.Auswirkungen nach innen 247

2.Auswirkungen nach außen 249

Der Aufbruch Chinindias in einer multipolaren Welt

Geschichte und Kultur 255

Wirtschaft 262

1.Incredible India vs. China Inc. 262

2.Ungleiche Entwicklungsmuster 266

3.Konkurrenz oder Kooperation? 275

4.Chinindia und die Globalisierung 280

5.And the winner is … 282

Außen- und Sicherheitspolitik 290

1.Stupa und Pagode 290

2."Perlenkettenstrategie" 300

3.Showdown im Indischen Ozean 305

4.Rohstoffe und Rivalitäten 308

5.Pakistan und die Atombombe 313

Ausblick 321


Nachbarn, Partner und Konkurrenten

Südostasien 325

Japan 333

USA 340

Europäische Union 353

Russland und Zentralasien 355

Epilog 358

Danksagung 362

Literatur 363

Register 366

Indien und China sind für die Geschichte der Menschheit von großer Bedeutung. Von den vier großen Weltreligionen Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus wurden zwei in Indien geboren, und China steuerte den nach wie vor bedeutsamen Konfuzianismus bei. Von den vier frühesten Hochkulturen der Erde, die in Ägypten, Mesopotamien, im Indusdelta und in den großen Deltagebieten Chinas entstanden waren, haben nur die letzten beiden überlebt. China wie Indien standen zivilisatorisch und kulturell jahrtausendelang im Zentrum einer eigenen Welt. Zum größten Teil war die Beziehung des konfuzianistisch geprägten Chinas und des hinduistischen Indiens durch freundschaftliche Zusammenarbeit und kulturellen Austausch charakterisiert. Indien gab China den Buddhismus, der sich von dort aus weiter in die chinesische und südostasiatische Welt ausbreitete. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts gehörten sie zu den reichsten und mächtigsten Nationen der Erde, die dann zeitgleich durch das Erstarken der europäischen Kolonialreiche zur Bedeutungslosigkeit verdammt beziehungsweise zur Kolonie herabgewürdigt wurden.
Beide Reiche litten stark unter dem Imperialismus der Westmächte. Während China nach den verlorenen Opiumkriegen Anfang des 19. Jahrhunderts den Status einer aufgeteilten, aber dennoch autonomen Nation, also einer Halbkolonie hatte, gerieten große Teile Indiens direkt unter englische Kolonialherrschaft. Etwa zur gleichen Zeit, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, betraten beide Nationen erneut die Bühne der Weltpolitik. 1949 wurde die Volksrepublik China ausgerufen und Indien erlangte 1947 seine politische Unabhängigkeit.
Hatten sie noch Anfang der fünfziger Jahre mehr oder minder gleiche Ausgangsbedingungen, so erlangte China vor dem Hintergrund wachsender Rivalität in den letzten Jahrzehnten einen großen Vorsprung gegenüber Indien. Seit Anfang der neunziger Jahre ist Indien jedoch dabei, diesen wieder aufzuholen. Nach einer vorsichtigen Annäherung in den vergangenen sechs Jahren kam es im April 2005 nach dem Besuch von Ministerpräsident Manmohan Singh in Peking zu einer historischen Wende in der Beziehung der beiden Länder. Singh und Wen begrüßten das Zusammengehen der Brüder Indien und China als den ersten Schritt zu einer Veränderung der Weltordnung. Das asiatische Jahrhundert, das vor allem ein indisch-chinesisches sein soll, werde eingeleitet durch die Brücke der Freundschaft. Diesen Worten folgten Taten. Erstmals wurden ernsthafte Schritte zur Beilegung des langjährigen Grenzkonfliktes unternommen. Im Bereich der Informationstechnologie stellen sich erste Synergien ein: China ist inzwischen der größte Hersteller von Computern, während Indien auf dem Weg ist, zum wichtigsten Software-Produzenten aufzusteigen. Durch weitere umfassende Kooperationen wie zum Beispiel dem Energiesektor soll das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern, das sich in den letzten fünf Jahren schon auf über 18 Milliarden US-Dollar erhöht hat, bis zum Jahre 2010 nochmals verdoppelt werden.
Am wichtigsten ist jedoch das neue beziehungsweise alte Selbstverständnis der beiden Länder. Indien und China betrachten sich nun eher als Partner, die eine wichtige Rolle beim Aufbau einer neuen internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung spielen wollen. Zwar waren und sind die beiden Länder Rivalen im Kampf um Märkte, Ressourcen und Einfluss in Asien, jedoch erkennen beide die Notwendigkeit einer - zumindest - vorübergehenden Kooperation an.
Vielleicht ist es möglich, durch die Schaffung einer historischen Partnerschaft fortan gemeinsam die globalen Umwälzungen des asiatischen Jahrhunderts zu gestalten. Wenn die beiden Riesen zusammen tanzen, wird dies die Welt, so wie wir sie kennen, erschüttern. Ob diese beiden gemeinsam tanzen werden oder jeder nur für sich allein, ist eine Frage, die in Europa und Deutschland - die den Zenit ihrer Bedeutung wohl schon überschritten haben - niemanden kalt lassen kann. Welche Auswirkungen hat dieser Tanz auf uns? Kann man nur tatenlos zusehen oder sich auf die neuen Verhältnisse einstellen? Im asiatischen Jahrhundert ist die Einschätzung der wichtigsten Protagonisten in Asien Conditio sine qua non, um epochale Umwälzungen zu begreifen und das eigene Verhalten auszurichten. Im Sog der tanzenden Riesen können sich auch bei den restlichen Staaten und den multilateralen Strukturen Asiens schon bald gravierende Zentrifugalkräfte ergeben.

Cover, reprofähig

Autorenfoto, reprofähig

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Erscheinungstermin:
18.09.2006

Hardcover gebunden

372 Seiten

EAN 9783593380988

€ 24,90

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