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Ausblick
Nicht zufällig rehabilitierte 1964 mit Aldo Rossi nicht ein Deutscher, sondern ein Italiener als einer der ersten die DDR-Architektur der stalinistischen Epoche an der Stalinallee/Karl-Marx-Allee und wies auf deren urbane Qualitäten hin. Allerdings war seine Position vor dem Hintergrund der Entwicklung des Berliner Baugeschehens, trotz der hier inzwischen vorhandenen Kritik an der Nachkriegsmoderne, noch für mindestens zehn Jahre eine Minderheitenmeinung. Wir haben gesehen, dass auch die West-Berliner Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre nicht in der Menge oder Vehemenz konkrete städtebauliche Alternativentwürfe machte, in der sie die bisher realisierten oder geplanten, von der Politik und den Wohnungsbaugesellschaften geförderten Quartiere, wie das Märkische Viertel oder die Gropiusstadt, kritisierte. Gleichzeitig ließ sich besonders die West-Berliner Politik Ende der sechziger Jahre von den modernen Wiederaufbauleistungen in Ost-Berlin beeindrucken, sodass weitere zu groß angelegte Prestigeprojekte, deren Vergabe in der West-Berliner Subventionswirtschaft auf eingefahrenen Wegen erfolgte, in die Wege geleitet wurden.
Für West-Berlin waren somit in den siebziger und achtziger Jahren zwei gegenläufige Entwicklungen im Städtebau prägend: Während der West-Berliner Senat mit dem riesigen Internationalen Congress Centrum (1975-79) von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte oder dem Bürohochhaus "Steglitzer Kreisel" (1968-80) von Sigrid Kressmann-Zschach weitere Großprojekte zuließ, die sich, wie im zweiten Fall, immer häufiger zum Subventionsgrab entwickelten, setzten sich bei der jüngeren Architektengeneration die neuen, der Geschichte wieder zugewandteren Konzepte der Postmoderne durch, die dann bei der Internationalen Bauausstellung Berlin IBA 1984/87 die dominierende Strömung bildeten. Allerdings wäre auch diese den Kalten Krieg scheinbar hinter sich lassende Bauausstellung, welche die innerstädtischen Bereiche als Wohngebiete wiedergewinnen sollte, in ihrem Umfang ohne die andauernde Teilung Berlins und die Konkurrenz im Zuge der zwei 750-Jahr-Feiern 1987 in Ost- und West-Berlin kaum denkbar gewesen. Parallel zu dieser städtebaulichen Entwicklung wurde die West-Berliner Medienöffentlichkeit durch neue Stadtmagazine wie Tip (seit 1972) und Zitty (seit 1977) sowie die Gründung der selbstverwalteten linken tageszeitung (taz) 1978 heterogener und kritischer; die lokale Berichterstattung nahm bei einem gleichzeitigen Zurücktreten der deutschlandpolitischen Themen stark zu.
In der DDR war seit Anfang der siebziger Jahre unter Honeckers Diktum von der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" der Massenwohnungsbau zu einem Kerngebiet der Sozialpolitik geworden. Dabei brachte die in den achtziger Jahren rapide schwächer werdende Ökonomie den Staat an seine Leistungsgrenzen, sodass der Gegensatz zwischen den hochgesteckten Zielen und der einfachen und monotonen Umsetzung und dem gleichzeitigen Verfall der Altbauten und Innenstädte immer unübersehbarer wurde - der Titel des Buches von Hannsjörg Buck, Mit hohem Anspruch gescheitert, trifft den Kern dieser Entwicklung. Allerdings waren die Neubauwohnungen in den neu entstehenden Ost-Berliner Bezirken der siebziger und achtziger Jahre wie Marzahn oder Hellersdorf (ab 1977) wegen ihres gewissen Komforts durchaus beliebt und bedeuteten für ihre Bewohner einen sozialen Aufstieg. Die steigende Unzufriedenheit der jüngeren Architektengeneration in der DDR kommt beispielsweise in dem posthum erschienenen, unvollendeten Roman von Brigitte Reimann über eine junge Architektin, Franziska Linkerhand (1974/1998), oder in dem späten DEFA-Film von Peter Kahane, Die Architekten (1989/90), zum Ausdruck.