Michael Hardt, Antonio Negri
Empire
Die neue Weltordnung
Übersetzt von Thomas Atzert, Andreas Wirthensohn
In einem provokanten und anregenden Manifest analysieren Michael Hardt und Antonio Negri die Strukturen der neuen Weltordnung. Scharfsinnig sezieren sie die Herrschafts- und Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus und zeigen zugleich den Weg zu dessen weltweiter Überwindung auf.
Michael Hardt
Michael Hardt ist Professor für Literaturwissenschaft an der Duke University Durham, N. C., in den USA. Mit ihrem Bestseller »Empire« (auf Deutsch bei Campus 2002 erschienen) wurden sie weltweit bekannt.
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Antonio Negri
Antonio Negri war nach seiner Flucht 1983 aus Italien Professor für Philosophie an der Sorbonne. 1997 kehrte er nach Italien zurück und wurde erneut inhaftiert. Im Herbst 2003 wurde er freigelassen und lebt heute als freier Autor in Rom.
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23.01.2003, Facts
»Die Reichen verteilen Almosen«
"Negris Buch gilt als Anti-Globalisierungsbibel."
28.12.2002, Die Welt
Literaturkalender 2002
"Lyrische Ekstase."
18.11.2002, Das politische Buch
Eine bedenkenswerte Provokation
"Das Buch ist in seiner ideologischen Zuspitzung eine Provokation. Dessen ungeachtet ist es ein wichtiger Beitrag zur Globalisierungsdebatte."
06.11.2002, Die Tageszeitung
"Wir sind immer noch nicht globalisiert genug"
"Gleichsam über Nacht wurde Michael Hardt zu einem Star der globalen Intellektuellenszene."
31.10.2002, Rheinischer Merkur
Marx läßt grüßen
"Selten zuvor hat ein so schwer verständliches Buch so viel Furore gemacht."
17.07.2002, Deutschlandradio
Empire
"Empire ist eine der umfassendsten und gründlichsten Analysen der modernen politischen Kulturgeschichte."
15.07.2002, Die Welt
Die Globalisierung und ihre Gegner
"Das Buch hat inhaltlich und psychologisch einen Nerv getroffen."
15.07.2002, Der Spiegel
Dada im Netzwerk
"Toni Negri ist ein wahrer Meister des kritischen Diskurses."
06.07.2002, Süddeutsche Zeitung
Globalisierung
"Die neue Theorie-Hoffnung unter der Linken."
03.07.2002, Jungle World
Kommunistisches Manifest, Cyberpunk, Bluff?
"Das Buch wird so rege diskutiert, weil es die großen Entwicklungen der Welt in der Tendenz plausibel und systematisch zu deuten und in einen übergreifenden kritischen Diskurs zu stellen vermag."
27.06.2002, Hannoversche Allgemeine Zeitung
Revolutionäre Lesebändchen
"Ein intellektueller Befreiungsschlag nach Jahren des theoretischen Stillstands."
17.06.2002, Berliner Zeitung
"Empire" von Antonio Negri und Michael Hardt
"Coole Typen, flotte Thesen."
16.06.2002, Der Tagesspiegel
Der Sieg der Multitude
"Was an dem Buch fasziniert,ist nicht nur sein enormer Gedankenreichtum, sondern die unverkennbare Lust, die Dimension des Utopischen mit der des Realistischen zu versöhnen."
01.06.2002, Bilanz
Neue Utopie
"Der intelligente Versuch, die marxsche Analyse des frühen Kapitalismus fortzuschreiben."
01.06.2002, Konkret
Negris Empire
"Eine Nominierung für den Literatur-Nobelpreis wäre angebracht."
28.05.2002, Badische Zeitung
Gespenst der Globalisierung
"Eine Theorie über die Welt, in der wir leben. Die Sprachlosigkeit der Linken hat ein Ende."
24.05.2002, Frankfurter Allgemeine
Globalisierungskritik als Lebensgefühl
"Empire ist ein linkes Manifest des positiven Denkens."
23.05.2002, Basler Zeitung
Ein optimistisches Plädoyer für dieì "Demokratie in Aktion"
"Ein anderes Leben für alle ist möglich. So der sympathische Grundton des Buches."
23.05.2002, Die Zeit
Biomacht und Kommunismus
"Seit vielen, vielen Jahren hat keine Großtheorie mehr derart eingeschlagen wie Empire [...] Als der Campus Verlag die deutsche Ausgabe in Berlin vorstellte, kamen Hunderte junger Leute in den Roten Salon der Volksbühne, um Michael Hardt zu sehen. Seit Herbert Marcuses Auftritt Ende der Sechziger an der FU, seit Michel Foucaults Erscheinen Ende der Siebziger auf dem Tunix-Kongress, seit den Vorträgen Judith Butlers in den Neunzigern hat es ein vergleichbares Radical-Chic-Happening nicht mehr gegeben, in dem
01.05.2002, Spex
Neues aus der Zwischenwelt
"Das ist ein Buch, was ich natürlich gleich, als es rauskam, gekauft habe. Und dann hat mich das sehr begeistert [...] Die Begriffsfindung für den gegenwärtigen Zustand, in dem sich die Welt befindet, als Empire, hat mich halt, ich würde am ehesten sagen: geflasht. Weil es wahnsinnig gut gedacht ist."
Dirk von Lowtzow, Tocotronic
01.05.2002, Literaturen
Das neue ABC des Kommunismus
"Ein Versprechen des Glücks im politischen Kampf."
30.04.2002, Junge Welt
Wer sind wir?
"Empire knallt wie ein gewaltiger Johnny-Cash- Song, es ist von römischer Wucht und erzählt von Leidenschaft, Hoffnung, Tod und Tragik im globalisierten Spätkapitalismus."
26.04.2002, Intro
Die Ordnung der Welt
"Ein helles Buch."
18.04.2002, Die Zeit
Die Redaktion empfiehlt
"Ein anregender, viel diskutierter Versuch, die Globalisierung und ihre Folgen auf den Begriff zu bringen."
13.04.2002, Die literarische Welt
Schön war die Zeit
"Hardt und Negri verschmelzen Deleuze/Guattari mit Marx und wenden die Postmoderne ins Soziale."
13.04.2002, Die literarische Welt
Kommt endlich aus den Schützengräben!
"Empire ist ein raunendes Welterklärungswerk, das den (Post-)Marxismus gegen die Komplexität der Wirklichkeit erretten will, ein letzter 'Großer Wurf' im Stil der Meisterdenker der Linken." Matthias Horx
06.04.2002, Neue Zürcher Zeitung
Das "Empire" und die "Wobblies"
"Empire läßt sich als Versuch lesen, Marxist in postmarxistischer Zeit zu bleiben."
05.04.2002, Freitag
Deleuziös und guattaresk
"Die poppige Konstruktionsweise des Textes ist originell: Lasst tausend Theoriesplitter sprechen."
26.03.2002, netzeitung.de
Neue Ordnung ohne Grenzen
"Hardt und Negris Theorie ist weit weniger statisch und viel hoffnungfroher als das meiste, das in den letzten Jahren über die neue Weltordnung veröffentlicht wurde."
zum Artikel
26.03.2002, Financial Times Deutschland
Was wollen die Globalisierungsgegner?
"Vor über 25 Jahren rief Jean-Francois Lyotard das Ende aller umfassenden Weltdeutungen aus. Doch mit Empire kehrt die Großtheorie zurück."
25.03.2002, Süddeutsche Zeitung
Ein Weltreich für alle Menschen
"Eine grandiose Analyse des Kapitalismus im 19. und 20. Jahrhundert und brillant entwickelte Argumentationslinien."
24.03.2002, Welt am Sonntag
"Ich fordere eine Revolution"
"Antonio Negri und Michael Hardt haben die derzeit meistdiskutierte Gesellschafts-Analyse verfasst [...] Das Werk wurde zur Bibel der Globalisierungsgegner."
23.03.2002, Die Tageszeitung
Die Geister, die sie riefen
"Mit ihrer Arbeitsweise reihen sich Hardt/Negri selbstbewusst in die Ahnengalerie der Theorieproduktionspaare ein: Marx/Engels, Adorno/Horkheimer und Deleuze/Guattari."
22.03.2002, Die Welt
Die Globalisierung der Freiheit
"Eine Theorie-Bibel der Globalisierungskritik, die unter Jungakademikern kultische Verehrung genießt."
22.03.2002, Der Tagesspiegel
Die Geburt des utopischen Realismus
"Der erste große philosophische Versuch über die Globalisierung."
22.03.2002, Süddeutsche Zeitung
Michael Hardt in der Volksbühne
"Empire ist epochal im Anspruch, furios im Stil, hellsichtig im Urteil."
22.03.2002, Berliner Zeitung
Heißer Antiimperialismus
"Bevor hierzulande überhaupt jemand darin gelesen hat, hat sich Empire als der heißeste Scheiß auf dem Theoriesektor durchgesetzt."
21.03.2002, Die Zeit
Eín überaus gefräßiges Ungeheuer
"Es ist nicht übertrieben, Empire eine grandiose Gesellschaftsanalyse zu nennen, die unser Unbehagen bündelt und konzentriert."
20.03.2002, Frankfurter Rundschau
Globalisiering durchs Fernrohr der Renaissance
"Ein tiefenscharfer Panoramablick auf eine so noch nie gesehene, überwältigende politische Landschaft."
20.03.2002, Jungle World
Hier kommt der Masterplan
"Negri/Hardt. Das hört sich an wie Deleuze/Guattari, Lennon/McCartney, Adorno/Horkheimer oder wie sagen wir es doch gleich Marx/Engels."
18.03.2002, Die Tageszeitung
"Es herrscht noch zu wenig Globalisierung"
"Empire ist der ehrgeizige Versuch, die neue Form der Herrschaft des Kapitalismus in den Zeiten der Globalisierung herauszuarbeiten."
zum TAZ-Interview mit Michael Hardt und Antonio Negri
18.03.2002, Falter
"Verzweifeln Sie nicht!"
"Nicht allen wird bewusst werden, dass sie soeben auf sanfte Weise zur Weltrevolution aufgerufen worden sind."
15.02.2002, Die Woche
Grenzenlose Weltmacht
"Die Autoren beschreiben, wie sich die Macht im globalisierten Kapitalismus ordnet, nachdem der Staat seine zentrale Rolle verloren hat."
Danksagung
Vorwort
Teil I: Die politische Konstitution der Gegenwart
1. Weltordnung
Vereinte Nationen - Die Konstitution des Empire - Das Modell imperialer Autorität - Universelle Werte
2. Biopolitische Produktion
Biomacht in der Kontrollgesellschaft - Die Produktion von Leben - Unternehmen und Kommunikation - Intervention - Hoheitsrechte
3. Alternativen innerhalb des Empire
Das ontologische Drama der Res gestae -§ Refrains der "Internationale" - Maulwurf und Schlange - Der Doppeladler - POLITISCHES MANIFEST
Teil II: Passagen der Souveränität
1. Zwei Europa, zwei Modernen
Die revolutionäre Entdeckung der Immanenz - Moderne als Krise - Der transzendentale Apparat - Moderne Souveränität - Die Souveränitätsmaschine - HUMANISMUS NACH DEM TOD DES MENSCHEN
2. Die Souveränität des Nationalstaats
Die Geburt der Nation - Die Nation und die Krise der Moderne - Die Nation und ihr Volk - Subalterner Nationalismus - Der Totalitarismus des Nationalstaats
3. Die Dialektik kolonialer Souveränität
Menschheit ist Eins und Viele - Die Krise der kolonialen Sklaverei - Die Erzeugung von Alterität - Die Dialektik des Kolonialismus - Der Bumerang der Alterität - Das vergiftete Geschenk der nationalen Befreiung - ANSTECKUNG
4. Symptome des Übergangs
Politik der Differenz - Die Befreiung der Hybriditäten oder Jenseits kolonialer Binärcodes - Fundamentalismus und/oder Postmoderne - Die Ideologie des Weltmarkts - Wahrheitskommissionen - DIE ARMEN
5. Netzwerk-Macht: Die Souveränität der USA und das neue Empire -
Die amerikanische Revolution und das Modell der zwei Roms - Umfassendes Empire - Offene Grenzen - Das Ende des imperialen Raums - Der amerikanische Imperialismus - Jenseits des Kalten Kriegs
6. Imperiale Souveränität
Es gibt kein Außen mehr - Imperialer Rassismus - Entstehung und Korruption von Souveränität - Der dreifache Imperativ des Empire - Von der Krise zur Korruption - VERWEIGERUNG
Intermezzo: Gegen-Empire
Eine große Gewerkschaft! - Der Nicht-Ort der Ausbeutung - Dagegen-Sein: Nomadismus, Desertion, Exodus -§ Die neuen Barbaren
Teil III: Passagen der Produktion
1. Die Grenzen des Imperialismus
Die Notwendigkeit des Außen - Die Internalisierung des Außen - Ausgleich und Subsumtion - Vom Imperialismus zum Empire - Die fehlenden Bände des Kapital -ZYKLEN
2. Disziplin und Regierbarkeit
Ein New Deal für die Welt - Dekolonialisation, Dezentrierung und Disziplin - In die Moderne eintreten, die Moderne verlassen - Auf dem Weg zu einem neuen globalen Paradigma - Reelle Subsumtion und Weltmarkt - URSPRÜNGLICHE AKKUMULATION
3. Widerstand, Krise, Transformation
Zwei, drei, viele Vietnam - Die kapitalistische Antwort auf die Krise - Die Ökologie des Kapitals - Ein Anschlag auf das Disziplinarregime - Die Agonie der sowjetischen Disziplin
4. Postmodernisierung: Industrialisierung der Produktion
Entwicklungsillusionen - Informatisierung - Die Soziologie der immateriellen Arbeit - Netzwerkproduktion - Information Highways - GEMEINSAMES
5. Gemischte Verfassung
Wenn Giganten die Erde beherrschen - Die Pyramide der globalen Konstitution - Polybius und die imperiale Herrschaft - Hybride Konstitution - Umkämpfte Konstitution - Das Spektakel der Konstitution
6. Kapitalistische Souveränität oder Die Regierung der globalen Kontrollgesellschaft
Eine glatte Welt - Die neuen Spaltungen - Imperiale Regierung - Imperiales Kommando - BIG GOVERNMENT IS OVER!
Teil IV: Untergang und Fall des Empire
1. Virtualitäten
Außerhalb des Maßes (Das Unermessliche) - Jenseits des Maßes (Das Virtuelle) -Parasit - Nomadismus und Rassenmischung - "General Intellect" und Biomacht - Res Gestae/Machinae
2. Generation und Korruption
Aufstieg und Fall (Machiavelli) - Finis Europae (Wittgenstein) - Amerika, Amerika - Krise - Generation - Korruption
3. Die Menge gegen das Empire
Die beiden Staaten - Endlose Pfade (Das Recht auf eine Weltbürgerschaft) - Zeit und Körper (Das Recht auf einen sozialen Lohn) - Telos (Das Recht auf Wiederaneignung) - Posse - MILITANT
Vorwort
Das Empire materialisiert sich geradewegs vor unseren Augen. Über mehrere Jahrzehnte, in deren Verlauf Kolonialregimes gestürzt wurden, und schließlich unvermittelt, als die sowjetischen Grenzen des kapitalistischen Weltmarkts endgültig zusammenbrachen, waren wir Zeugen einer unaufhaltsamen und unumkehrbaren Globalisierung des ökonomischen und kulturellen Austauschs. Zusammen mit dem globalen Markt und mit globalen Produktionsabläufen entstand eine globale Ordnung, eine neue Logik und Struktur der Herrschaft - kurz, eine neue Form der Souveränität. Empire ist das politische Subjekt, das diesen globalen Austausch tatsächlich reguliert, die souveräne Macht, welche die Welt regiert.
Viele behaupten, die Globalisierung der kapitalistischen Produktion und Zirkulation würde bedeuten, dass sich die ökonomischen Verhältnisse gegenüber der politischen Kontrolle stärker verselbständigten und politische Souveränität folglich im Niedergang begriffen sei. Manche feiern diese neue Ära als die Befreiung der kapitalistischen Ökonomie von den Beschränkungen und Verzerrungen, die ihr die Politik aufgezwungen habe; andere beklagen, dass dadurch die institutionellen Kanäle verstopft würden, durch die Arbeiterinnen und Arbeiter, Bürgerinnen und Bürger auf die kalte Logik des kapitalistischen Profits Einfluss nehmen konnten oder ihr gar die Stirn boten. Es trifft natürlich zu, dass mit den Globalisierungsprozessen die Souveränität der Nationalstaaten zwar weiter bestehen bleibt, doch Stück für Stück niedergeht. Die Grundfaktoren von Produktion und Zirkulation - Geld, Technologie, Menschen und Waren - überqueren zunehmend mühelos nationale Grenzen; es steht von daher immer weniger in der Macht eines Nationalstaats, diese Ströme zu lenken und seine Autorität der Ökonomie gegenüber durchzusetzen. Selbst bei den führenden Nationalstaaten sollte man nicht mehr an die höchste und souveräne Form der Gewalt denken, und zwar weder innerhalb und noch weniger außerhalb der eigenen Grenzen. Der Niedergang der Souveränität von Nationalstaaten bedeutet jedoch nicht, dass Souveränität als solche im Niedergang begriffen wäre.1 Weiterhin beherrschen in den gegenwärtigen Veränderungen allenthalben politische Kontrolle, Staatsfunktionen und Lenkungsmechanismen den Bereich wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Produktion und Zirkulation. Unsere grundlegende Hypothese ist deshalb, dass Souveränität eine neue Form angenommen hat, sie eine Reihe nationaler und supranationaler Organismen verbindet, die eine einzige Herrschaftslogik eint. Diese neue globale Form der Souveränität ist es, was wir Empire nennen.
Der Niedergang der Souveränität von Nationalstaaten und ihre zunehmende Unfähigkeit, den ökonomischen und kulturellen Austausch zu lenken, kündigen tatsächlich als eines der ersten Symptome das entstehende Empire an. Die nationalstaatliche Souveränität war für die Formen des Imperialismus, wie sie die europäischen Mächte die ganze Moderne hindurch ausbildeten, der Eckpfeiler. Unter "Empire" verstehen wir jedoch etwas vollkommen anderes als "Imperialismus". Für den europäischen Kolonialismus ebenso wie für die ökonomische Expansion waren die durch das moderne System von Nationalstaaten geschaffenen Grenzen grundlegend: Die Territorialgrenzen der Nation umschlossen ein Zentrum der Macht, das die Ströme der Produktion und Zirkulation systematisch kanalisierte oder blockierte, abwechselnd förderte oder unterband, und so über fremde Territorien Herrschaft ausübte. Imperialismus dehnte eigentlich die Souveränität europäischer Nationalstaaten über deren eigene Grenzen hinaus aus. Schließlich konnte man so beinahe alle Landstriche der Welt aufteilen und der gesamten Weltkarte die Farben Europas geben: rot für britische Gebiete, blau für französische, grün für portugiesische und so weiter. Ganz gleich, wo moderne Souveränität Wurzeln schlug, sie schuf einen Leviathan. Der umschlang die Sphäre der Gesellschaft und setzte eine Hierarchie territorialer Grenzziehungen durch, um über die Reinheit der eigenen Identität zu wachen und dabei alles andere auszuschließen.
Die Passage zum Empire taucht aus der Dämmerung der modernen Souveränität auf. Im Gegensatz zum Imperialismus etabliert das Empire kein territoriales Zentrum der Macht, noch beruht es auf von vornherein festgelegten Grenzziehungen und Schranken. Es ist dezentriert und deterritorialisierend, ein Herrschaftsapparat, der Schritt um Schritt den globalen Raum in seiner Gesamtheit aufnimmt, ihn seiner offenen und sich weitenden Grenzenlosigkeit einverleibt. Das Empire arrangiert und organisiert hybride Identitäten, flexible Hierarchien und eine Vielzahl von Austauschverhältnissen durch abgestimmte Netzwerke des Kontrolle. Die unterschiedlichen Nationalfarben der imperialistischen Landkarte fließen zusammen und münden im weltumspannenden Regenbogen des Empire.[...]
