Marcus Menzl

Leben in Suburbia

Raumstrukturen und Alltagspraktiken am Rand von Hamburg

Eine junge Familie zieht in ein Eigenheim an den Rand einer Großstadt. Am Beispiel einer Gemeinde nördlich von Hamburg untersucht der Autor, wie sich ihr Alltag am neuen Wohnort gestaltet. Er hinterfragt, inwieweit das suburbane Wohn- und Lebensmodell den Anforderungen aktueller gesellschaftlicher Veränderungsprozesse entspricht. Auf der Grundlage von Interviews zeigt er: Das suburbane Lebensmodell (Kleinfamilie mit dem Vater als Ernährer und der Mutter als Hausfrau) ist immer weniger mit gegenwärtigen Entwicklungstendenzen - flexible Erwerbsarbeit, Patchwork-Biografien, Vielfalt der Lebensstile, veränderte Rolle der Frauen
u. a. - vereinbar.

Genau wie Städte oder Dörfer weisen suburbane Räume spezifische alltagspraktische und normative Strukturen auf, die vor allem für nahraumorientierte junge Familien prägend werden. Individuen - und besonders Mütter - sehen sich dann oftmals mit Rahmenbedingungen konfrontiert, die die Umsetzung "unkonventioneller" Lebensentwürfe erheblich erschweren. Suburbane Gemeinden stehen damit vor der Herausforderung, sich auf neue Haushaltstypen, ein breiteres Spektrum von Lebensentwürfen und entsprechend unterschiedliche Alltagsmuster einzustellen

Marcus Menzl
Marcus Menzl, Dr. rer. pol., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department Stadtplanung der Hafen- City Universität in Hamburg.
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Inhalt
Danksagung9

1.Einleitung11

1.1Der suburbane Raum und die scheinbare Banalität von Alltag11
1.2Wissenschaftliche Zugänge zur Suburbanisierung
und zu suburbanen Räumen16
1.3Methodologische Konzeption der Arbeit40
1.4Aufbau der Arbeit57

2.Henstedt-Ulzburg im Profil61

2.1Zahlen, Fakten und Zusammenhänge zum Untersuchungsraum62
2.2Schlaglichter auf die historische Entwicklung der Gemeinde81
2.3Selbstporträt der Gemeinde107
2.4Felderschließungen vor Ort115

3.Wanderungsentscheidungen von Haushalten
in Suburbanisierungsprozessen127

3.1Die Vielschichtigkeit des Such-, Abwägungs- und
Entscheidungsprozesses im Vorfeld von Stadt-Umland-Wanderungen128
3.2Umzugsanlässe132
3.3Wanderungsmotive und -hemmnisse134
3.4Suchmuster146
3.5Verräumlichung: Warum gerade Henstedt-Ulzburg?149
3.6Entscheidungskonstellationen152
3.7Das Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen des Such-,
Abwägungs- und Entscheidungsprozesses: Drei Fallbeispiele155
3.8Fazit: Die Wanderungsentscheidung als Hintergrundfolie
für die Zeit nach dem Umzug164

4.Alltagsverläufe und Lebensentwürfe167

4.1Muster des Alltags zugezogener Familien in Henstedt-Ulzburg170
4.2Alltagsarrangements: Kompromisse zwischen den Sachzwängen
konkreter Alltagsanforderungen und den Ansprüchen des eigenen
Lebensentwurfs176
4.3Konstellationen von Alltag in einer biographischen Übergangssituation182
4.4Auf der Suche nach konsistenten Alltagsarrangements: Drei Beispiele198
4.5Alltagsarrangements und ihr enger Zusammenhang
zu Lebensentwürfen und lokalen Strukturen210

5.Soziale Beziehungen am neuen Wohnort:
Integrationsverläufe der zuziehenden Bewohner222

5.1Wege und Formen der Integration der Zugezogenen223
5.2Altansässige versus Zugezogene - ein Konfliktfeld?244

6.Ambivalenzen von Homogenität und Nähe259

6.1Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Alltagsunterstützung
und Sozialkontrolle263
6.2 Der Klatsch und seine sozialen Funktionen285
6.3Lebensentwürfe unter Rechtfertigungsdruck:
"Rabenmütter" und "Gluckenmütter"294
6.4Kontext-Effekte des suburbanen Wohnens?302

7.Henstedt-Ulzburg aus Bewohnersicht:
Wahrnehmungen, Zuschreibungen und Ortsbindungen308

7.1Wohnort Henstedt-Ulzburg - alltägliche Orientierungen
und Bedeutungszuschreibungen310
7.2Der suburbane Raum als Rückzugsort330
7.3Bindungen an Henstedt-Ulzburg337

8.Gemeindeentwicklung Henstedt-Ulzburg:
Strategische Ausrichtung und Steuerungspraktiken347

8.1Lokale Machtstrukturen und Steuerungspraktiken348
8.2Lokales Steuerungshandeln und die Alltagsorganisation der Bewohner:
Das Beispiel der Kindertagesstätten365
8.3Ambivalenzen der Gemeindeentwicklung Henstedt-Ulzburgs382

9.Leben in Suburbia: Konturen und Perspektiven397


Literatur421

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis443

Der suburbane Raum hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg vollzogen: In der Wahrnehmung der wissenschaftlichen Welt avancierte er von dem ungewünschten und hinsichtlich seiner inneren Entwicklungsdynamiken weitgehend ignorierten "Speckgürtel" oder "Siedlungsbrei" unter dem Label "Zwischenstadt" seit Erscheinen der gleichnamigen Monografie von Sieverts (1997) zu einem als interessant und zukunftsweisend erachteten Forschungs- und Gestaltungsgegenstand. Hier, an den Rändern der Großstädte, den "Überlappungs- und Verflechtungszonen von Stadt und Land" (Matthiesen 2002), ereignen sich heute die "eigentlichen Neuerungen" (BBR 2000: 77), hier lassen sich die "aktuellsten und noch ungefestigten Prozesse der gesamten Stadt" beobachten (Ipsen 1998), hier befindet sich "das Feld städtebaulicher und sozialer Experimente" und "spielt die Musik von Stadtentwicklung" (Prigge 1998) - so einige Einschätzungen. Nicht allein die Stadt- und Regionalforschung widmete sich der Suburbia seit diesem "Perspektivenwechsel" (Burdack/Herfert 1998) mit neuem Interesse, auch Architekten, Landschaftsplaner, Kulturwissenschaftler und Künstler entdeckten den suburbanen Raum für sich.
Das Spektrum der Aspekte von Suburbia, die in den letzten Jahren wissenschaftlich oder gestalterisch erschlossen werden sollten, ist ausgesprochen breit und ungewöhnlich bunt. Kennzeichnend ist insbesondere, dass neben analytischen und planerischen Ansätzen vielfach explizit der Anspruch nach einer "längst überfälligen qualitativen Gestaltung der Zwischenstadt" (Dosch 2004: 66) formuliert wurde. Das Credo des "Zwischenstadt-Lagers" lautete dabei, die seit Jahrzehnten ablaufenden und durch räumliche Planung offensichtlich nicht grundlegend beeinflussbaren wirtschaftlichen und sozialen Prozesse der Suburbanisierung endlich zu akzeptieren und bisherige Planungspraktiken und Ressentiments, die pauschal gegen das Wachstum der Stadtränder gerichtet waren und einseitig die kompakte "Europäische Stadt" protegierten, zu Gunsten von Maßnahmen aufzugeben, die das Wachstum in Suburbia akzeptieren und gezielt ausgestalten (Müller/Rohr-Zänker 1997; Sieverts 1997). Als explizites Ziel dieser ausgestaltenden Aktivitäten wurde die "Qualifizierung" der suburbanen Räume ausgegeben, womit allerdings nicht allein die Verbesserung der physischen Formen und Zusammenhänge in Siedlung und Landschaft gemeint ist: Vielmehr geht es "gleichermaßen um Aufklärung und damit um die innere Einstellung von Bewohnern und Akteuren als Voraussetzung von Lern- und Erfahrungsprozessen" (Sieverts 2004: 17).
Diesen ambitionierten Zielen steht die Erkenntnis gegenüber, dass wir "immer noch sehr wenig über Deutsch-Suburbia wissen" (Bodenschatz 2004: 56). Bekannt ist die in der Regel sehr "grobkörnige Zerrissenheit" (ebd.) suburbaner Räume, die diese extrem uneinheitlich erscheinen lassen. Außer Frage steht heute auch die hohe Dynamik, die suburbane Räume auszeichnet und die in immer neuen Wachstumsschüben, aber auch in schleichenden Umbruchs- und Schrumpfungsprozessen etwa in älteren Teilgebieten von Suburbia zum Ausdruck kommt. Vielfach zur Kenntnis gegeben wurde auch die sich vollziehende "funktionale Anreicherung" des suburbanen Raumes, das heißt die Ansiedlung von Arbeitsstätten und diversen Wohn-Folge-Infrastrukturen, die zu einer Verringerung der funktionalen Verkopplung mit der Kernstadt beitragen kann (Brake 2004: 196). Auch das Spektrum der in den suburbanen Raum ziehenden Haushalte hat sich in den letzten Jahren erweitert und beschränkt sich nicht mehr überwiegend auf junge Familien.
Daneben finden sich aber viele blinde Flecken und ungeklärte Zusammenhänge, von denen hier nur einige benannt seien. Immer noch und immer wieder virulent ist die Frage, wie der suburbane Raum räumlich abzugrenzen sei: Ist er deckungsgleich mit den administrativen Grenzen oder sind andere Indikatoren zu entwickeln? Orientiert er sich an der Bebauungsform des Eigenheims und reicht damit tief in die Kernstadt hinein? Ist das gesamte Umland als Suburbia zu bezeichnen oder kristallisieren sich dort bereits mehr oder weniger eigenständige Zentren heraus? Des Weiteren hat die über Jahre hinweg kennzeichnende Pauschalbetrachtung von Suburbia zu gravierenden Differenzierungsdefiziten geführt hinsichtlich der immer komplexer werdenden suburbanen Strukturen. Erforderlich scheinen solche Differenzierungen etwa zwischen unterschiedlichen Gemeindetypen und ihren jeweiligen Entwicklungspfaden, zwischen den sich innerhalb der Suburbien herausbildenden sozialen Milieus und ihren Ansprüchen an den Raum oder zwischen den auch in Suburbia einem Wandel unterliegenden Steuerungsformen und -kulturen.
Besonders unscharfe Konturen weisen im Kontext der deutschen Suburbia-Forschung die Wissensbestände zu den Alltagsmustern der im suburbanen Raum lebenden Menschen und insbesondere der zugezogenen Bewohner auf. Während die Motive der Umlandwanderung seit Jahrzehnten immer wieder zum Gegenstand von Forschungen wurden, wird die Frage, wie es nach dem Umzug eigentlich weitergeht mit den Alltagsverläufen der Bewohner, ihrer sozialen Integration am neuen Wohnort oder auch ihren sozialen und räumlichen Orientierungen ausgesprochen randständig behandelt oder gar nicht thematisiert. Auch die Perspektive der Zuzugsgemeinde wird bislang zumeist ausgeblendet, so dass Fragen nach Veränderungsprozessen, die infolge des Zuzugs im sozialen Gefüge oder auch hinsichtlich der Steuerungsformen und -kulturen der Gemeinden auftreten, nicht gestellt werden. Bislang wird dieses Themenfeld überwiegend von ideologisch motivierten Veröffentlichungen dominiert, die in den suburbanen Wohnkonstellationen entweder die Verwirklichung des Traums vom kinderfreundlichen und selbst bestimmten Leben im Grünen sehen oder aber "spöttisch" der Frage nachgehen, "ob es im Neurosengarten Suburbia wirklich nur Lüge, Sex und Kaffeekränzchen" (Zitty 2005) gibt.
Die auch von Brake u.a. (2001) identifizierte Forschungslücke über die "Dispositionen der Akteure in ›ihrem‹ suburbanen Raum, das heißt wie sie dort im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Arbeit, ihrer persönlichen und sozialen Situation und ihren damit verschränkten Interessen eingebettet sind" (Brake u.a. 2001: 278), ist insbesondere dann als gravierend einzuschätzen, wenn man sie im Kontext des fortschreitenden gesellschaftlichen Strukturwandels betrachtet, in dessen Folge die Strukturierungsregeln, Handlungsmuster und normativen Orientierungen der fordistisch geprägten Gesellschaft immer stärker an Bedeutung verlieren.
Der Fordismus kann als ein "kohärentes System von institutionellen Regelungen, Organisationsformen der Produktion und kulturell bestimmten Lebensstilen" bezeichnet werden (Ipsen 1987: 119), das weite Bereiche der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts tief greifend bestimmte. Mit dem Fordismus verband sich damit nicht allein eine spezifische Organisation des Produktionsprozesses, sondern ebenso die Etablierung des Normalarbeitsverhältnisses (Standardisierung von Arbeitszeiten, Einkommen und Formen der sozialen Absicherung), ein aktiver, um die Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen einer integrierten Ökonomie bemühter Staat, die "Zonierung" (ebd.) und funktionsspezifische Optimierung von Räumen sowie die Neuausrichtung der Konsumnormen hin zum massenhaften Konsum standardisierter Produkte (als erforderlichem Gegenstück zur Massenproduktion). Die auf Standardisierung von Arbeit abzielende Logik des Fordismus implizierte auch klar strukturierte Muster von Alltag, deren wichtigste Elemente die rigide Trennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit und die feste Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern ("male breadwinner/female housewife") waren (vgl. ausführlicher: Läpple/Thiel 2004).
Von entscheidender Bedeutung für die Durchsetzung fordistisch strukturierter Alltagsmuster und räumlicher Zonierungen waren die massenhafte Verbreitung des Automobils und des Eigenheims am Stadtrand. Entsprechend galt das suburbane Wohnen über Jahrzehnte hinweg als der Ausdruck einer fordistisch strukturierten Gesellschaft: Die tendenzielle Angleichung der Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsschichten verhalf dem gesellschaftlichen Ideal der Kleinfamilie mit entsprechenden Wohnformen (das mehr oder weniger standardisierte Eigenheim im Grünen, räumliche Trennung von Wohn- und Arbeitsort, Bedeutungszuwachs abgrenzbarer privater Räume) und modernen, (vor-)städtischen Lebensmodellen (geschlechtliche Rollenverteilung, Rationalisierung und Technisierung der Haushaltsführung, auf zunehmendem Wohlstand basierende Konsummuster) zum breiten Durchbruch, die einsetzende Massenmotorisierung ermöglichte die räumliche Auslagerung der fordistisch geprägten Wohn- und Lebensmuster an die Ränder der Großstädte (Kaltenbrunner 2004: 66). Das suburbane Wohnen als Inbegriff fordistischer Alltagsmuster wird heute aber konfrontiert mit gegenläufigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen, die das jahrzehntelang praktizierte Wohn- und Lebensmodell grundlegend in Frage stellen:
-Die immer höher qualifizierten Frauen sind oftmals nicht mehr ohne Weiteres bereit, sich auf die Rolle der Hausfrau und Mutter - die für das suburbane Wohnen bislang stets charakteristisch war - zu reduzieren (bzw. reduzieren zu lassen), sondern streben nach einer ihren Qualifikationen angemessenen Integration in das Erwerbsleben. Wie lassen sich diese Bedarfe von suburbanen Wohnstandorten aus realisieren?
-Der Erwerb von Wohneigentum am Rande der Stadt basierte über Jahrzehnte hinweg auf geregelten Arbeits-, Zeit- und Einkommensgerüsten. Dagegen weisen Personen, die in befristeten, prekären oder sonst "atypischen" Beschäftigungsverhältnissen stehen und (freiwillig oder erzwungenermaßen) unkonventionelle und risikofreudige Lebensformen praktizieren, schon immer eine größere Affinität zu den inneren Kernstädten auf (Brake 2001: 21). In den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass der Strukturwandel der Erwerbsarbeit immer breitere Bevölkerungsschichten erfasst und so auch erheblich mehr Personen mit Unsicherheiten und Risiken hinsichtlich ihres Beschäftigungsverhältnisses konfrontiert. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Modell des suburbanen Wohnens aus?
-Die Diskontinuität von Beschäftigungsverhältnissen und die aus dem Erwerbsalltag resultierenden Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen sind massiv angewachsen. Das stellt das Prinzip einer langfristigen Festlegung auf einen Wohnort (Eigentumsbildung und deren Finanzierung) ebenso in Frage wie es den Bedarf an kurzfristig abrufbaren und flexiblen Dienstleistungen (etwa im Bereich der Kinderbetreuung) erhöht. Auch die soziale Integration am neuen Wohnort sowie das Interesse bzw. Engagement für das Gemeinwesen erfolgen unter veränderten Rahmenbedingungen - werden sie noch ernsthaft angestrebt?
-Die Ansprüche an individuelle Wohn- und Lebensmodelle und generell das Verlangen nach Abgrenzung und Distinktion sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen und differenzieren sich kontinuierlich weiter aus. Die Produktion suburbaner Eigenheime brachte jedoch in der Regel baulich, sozial und lebenszyklisch äußerst homogene Siedlungen hervor. Werden sie noch den sich individualisierenden Wohn-, Lebens- und auch Gestaltungsansprüchen gerecht, die auch in suburbanen Räumen immer deutlicher an Relevanz gewinnen? Oder anders herum: Vermögen sich suburbane Räume den Bedarfen nach größerer Individualität anzupassen?
-Über lange Jahre hinweg wurden suburbane Gemeinden als Schlafstädte charakterisiert. In den letzten Jahren werden stärker die Eigendynamiken suburbaner Gemeinden und die Emanzipationsprozesse von den Kernstädten betont. Führt diese Entwicklung zu einer engeren räumlichen Bindung der Bewohner an ihren Wohnort? Oder wird der Trend konterkariert von der Ubiquität des Autos und der im Allgemeinen hohen Bereitschaft zu Mobilität?
Diese wenigen Beispiele deuten bereits an, dass das fordistisch geprägte Wohn- und Lebensmodell offenbar nicht konfliktfrei mit postfordistischen gesellschaftlichen Entwicklungstrends vereinbar ist - mit einer stärkeren Individualisierung, mit sich ausdifferenzierenden Lebensstilen, mit entstandardisierten Formen von Erwerbsarbeit und diskontinuierlichen Lebensverläufen und Biographien. Umso spannender und wichtiger ist daher eine möglichst genaue Rekonstruktion der Alltagswirklichkeiten der Bewohner des suburbanen Raumes. Hinter der vermeintlichen Banalität alltäglicher Abläufe verbergen sich zunehmend komplexer werdende Synchronisationsbedarfe: Hier, im Alltag, müssen immer deutlicher divergierende Interessen und Ansprüche aus unterschiedlichen Lebenssphären abgewogen und vereinbar gemacht werden, und hier offenbart sich auch, ob der jeweilige Lebensentwurf (mit all seinen Anforderungen) und der gewählte Wohnort (mit seinen ermöglichenden und begrenzenden Strukturen) zusammenpassen. Es ist abzusehen, dass der Verlauf dieser von den Individuen zu gestaltenden, aber gesellschaftlich geprägten alltäglichen Koordinationsprozesse in den kommenden Jahren die sozialen Dynamiken und Steuerungsaufgaben suburbaner Gemeinden und letztlich die Attraktivität von Suburbia als Wohnstandort maßgeblich prägen wird. Das profunde Verständnis der Beschaffenheit und der Widersprüche der suburbanen Alltagsstrukturen ist daher als entscheidender Schlüssel für alle (regulativen, aber gerade auch gestalterischen) Versuche der Intervention in suburbane Räume anzusehen.
Die vorliegende Arbeit nimmt sich dieser Forschungslücke an und versucht den Alltag suburbanen Wohnens näher zu beleuchten. Bevor die Fragestellung und das dieser Arbeit zu Grunde liegende methodologische Konzept genauer erläutert werden, sollen nun die Erträge und die noch bestehenden Lücken der bisherigen wissenschaftlichen Beschäftigung mit Suburbanisierungsprozessen und mit suburbanen Räumen näher dargestellt werden.

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Erscheinungstermin:
05.02.2007

kartoniert

445 Seiten

EAN 9783593385389

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