Michael Bayer (Hg.), Gabriele Mordt (Hg.), Sylvia Terpe (Hg.), Martin Winter (Hg.)

Transnationale Ungleichheitsforschung

Eine neue Herausforderung für die Soziologie

An der Soziologie wird häufig kritisiert, dass sie sich auf national begrenzte Untersuchungsfelder beschränkt. Das gilt für die soziologische Ungleichheitsforschung in besonderem Maße. Eine weltgesellschaftliche Öffnung der Soziologie ist heute jedoch unabdingbar. Die Beiträge des Bandes nähern sich dieser Aufgabe unter empirischen wie theoretischen Gesichtspunkten und legen einen Grundstein für die auch gesellschaftspolitisch notwendige Erweiterung der sozialwissenschaftlichen Ungleichheitsforschung. Mit Beiträgen von Reinhard Kreckel, Stefan Hradil, Walter Müller, Martina Löw, Volker Bornschier, Johannes Berger, Cornelia Klinger und anderen.

Michael Bayer
John Darwin ist Beit University Lecturer für die Geschichte des Britischen Commonwealth am Nuffield College, Oxford. Sein Buch "Der imperiale Traum. Die Globalgeschichte großer Reiche 1400 - 2000" wurde 2010 mit dem NDR-Kultur-Sachbuchpreis ausgezeichnet.
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Gabriele Mordt
Die Herausgeberinnen und Herausgeber arbeiten am Institut für Soziologie der Universität Halle und am Institut für Hochschulforschung Wittenberg.
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Sylvia Terpe
Die Herausgeberinnen und Herausgeber arbeiten am Institut für Soziologie der Universität Halle und am Institut für Hochschulforschung Wittenberg.
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Martin Winter
Die Herausgeberinnen und Herausgeber arbeiten am Institut für Soziologie der Universität Halle und am Institut für Hochschulforschung Wittenberg.
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Einleitung
Michael Bayer, Gabriele Mordt, Sylvia Terpe

Die Soziologie konstituierte sich als die Wissenschaft von der
modernen Gesellschaft. Beide Schlüsselbegriffe – Moderne und Gesellschaft
– sind jedoch immer noch sowohl hinsichtlich ihrer theoretischen
Fassung als auch ihrer materialen Füllung umstritten. Dieses grundlagentheoretische
Problem ist zuletzt im Kontext der Globalisierungsdiskussionen
wieder ins Bewusstsein gerückt. Es betrifft nicht nur den
Bereich der soziologischen Theoriebildung im engeren Sinne, sondern
wirkt sich auch auf die Art und Weise aus, wie soziologische
Teildisziplinen arbeiten, welche Probleme sie wahrnehmen, wie sie
diese zu definieren und zu erklären suchen. Doch wie lässt sich der
scheinbar paradoxe Umstand erklären, dass eine Disziplin über ein
Jahrhundert hinweg außerstande ist, die für ihr Selbstverständnis
zentralen Begriffe in einer allgemein akzeptierten Weise zu klären?
Die wissenschaftshistorischen Aspekte dieser Frage können wir in
diesem Rahmen nicht angemessen würdigen. Aber eine Identifikation
der zentralen theoretischen Streitfragen wirft auch ein erhellendes
Licht auf die Herausforderungen einer sich globalisierenden Ungleichheitsforschung.
Diese sieht sich nicht nur mit dem Vorwurf konfrontiert,
blind zu sein für jene Ungleichheiten, die sich im Zuge der
Globalisierung ausgebildet hätten, sondern darüber hinaus auch die sie
erzeugenden Konstellationen und Mechanismen nicht angemessen
erfassen und analysieren zu können (Beck 2006: 266).
Der Begriff der Gesellschaft stellte, will man es überspitzt
ausdrücken, lange Zeit nicht mehr als eine Residualkategorie dar.
Gesellschaft ist das, was übrig bleibt, wenn sich im Zuge des Modernisierungsprozesses
Teilsysteme auszudifferenzieren beginnen. Sie ist
das, was noch nicht erklärt ist, wenn aus den empirisch vorfindlichen,
komplexen Phänomenen die ökonomischen und politischen Institutionen
analytisch extrahiert worden sind, oder, anders herum
betrachtet, sie ist das Substrat, auf das mehr oder weniger genau
spezifizierte Teilsysteme einwirken. Darüber hinaus wurde davon
ausgegangen, dass diese Teilsysteme – Staat (oder Politik), Markt (oder
Wirtschaft) und Zivilgesellschaft (oder Gesellschaft/Kultur) – eigenen
Entwicklungslogiken folgen. Beide Annahmen gemeinsam – die der
Differenzierung und die der autonomen Funktionslogiken – stellten
ein selbstverständliches und kaum mehr hinterfragtes Hintergrundwissen
in den Sozialwissenschaften dar (vgl. Wallerstein 2000: 307).

Cover, reprofähig

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Erscheinungstermin:
13.05.2008

kartoniert

356 Seiten, 12 Grafiken

EAN 9783593385815

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