polarkreis e.V. (Hg.)

polar 2: Ökonomisierung

Was zählt

Liebe heißt, sich gegenseitig schöne Dinge zu kaufen. Krankenhäuser müssen wirtschaftlich rentabel sein. Gefängnisse werden als private Unternehmen betrieben. Universitäten werden zu Wirtschaftsbetrieben. Ist der Einzug der Ökonomie in alle Bereiche unseres Lebens und in unsere Köpfe noch zu bremsen? Wo sind die Alternativen?

Werden wir eine Gesellschaft von Ich-AGs, die entweder Rendite abwerfen oder Insolvenz anmelden müssen? Geld regiert die Welt. Wissen wir. Geld allein macht nicht glücklich. Hören wir. Kauf dich glücklich. Sagt uns die Werbung.Wie aber leben in einer solchen Welt? Hartmut Rosa fragt, ob Demokratie unter dem Diktat ökonomischer Beschleunigung noch funktionieren kann. Der französische Philosoph Luc Boltansky beschreibt, wie sich der Geist des Kapitalismus transformiert. Der Künstler Eduardo Molinari führt uns in die Wirtschaftskrise Argentiniens. Die israelische Soziologin Eva Illouz sieht wahre Romantik erst im Konsum. Der Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler verkündetWare Poesie. Bildung. Gesundheit.Wasser.Was zählt? Die zweite Ausgabe von polar sucht nach Ökonomien und Gegenökonomien unseres Lebens.

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mehr zum Autor

04.04.2007, Frankfurter Rundschau Online
Diktat der Ökonomie
"Das neue Heft der Zeitschrift 'polar' widmet sich dem Thema Ökonomisierung aus einer kritischen Perspektive der politischen Philosophie."

polar 2
Standort
Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Leben als Projekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7
Prekarität in der schönen neuen Netzwerkwelt
Luc Boltanski
Speed . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Von der zeitlichen Überforderung der Demokratie
Hartmut Rosa
Mikro schlägt Makro . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .27
Zur aktuellen Gefechtslage wirtschaftswissenschaftlicher
Großtheorien
Stephan Schilling
Race and Space . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Eine Nahaufnahme aus dem Sudan
Evelyn Annuß
Der Fall Mosconi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Selbstorganisation in der argentinischen Provinz
Eduardo Molinari
Standortkonkurrenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Wider den ökonomischen Nationalismus der
Globalisierung
Alexander Somek
Kontroverse: >Markt<. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Stefan Huster, Stefan Gosepath
"Gegen den Trend" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
Interview mit Nancy Fraser
Leben im Kapitalismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
>Kinderkriegen und Aussteigen<
Ina Kerner
Ist es links?: >Gleichheit< . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Bertram Keller, Ralph Obermauer, Thomas Schramme, Peter Siller
Mehrwert
Ein Spezialist der Anfänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .73
Was den ökonomischen Menschen ausmacht
Joseph Vogl
"Liebe jenseits des Marktes
wäre grau und leer" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
Interview mit Eva Illouz
Feindliche Übernahme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
Kunst, Kritik und Kapital
Michael Eggers/Martin Saar
Die Vermarktung der Idee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
Brauchen wir geistiges Eigentum?
Bertram Keller
"Sprache und Geld sind ungeheuer flexibel" . 100
Interview mit Ernst-Wilhelm Händler
So langsam wie möglich, bitte! . . . . . . . . . . . . . . . .105
Die negative Ökonomie der musikalischen Avantgarde
Björn Gottstein
Zweckimperialismus und
Zweckvergessenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
Arbeit und Ökonomisierung
Thomas Schramme
Tango Argentino. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
Ein Streifzug durch Buenos Aires
Julia Roth
Blood Sugar Sex Magic . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
Leben mit chronischer Effizienz
Jan Engelmann
Kontroverse: >Organhandel< . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .126
Friedrich Breyer, René Röspel
Mein halbes Jahr
>Musik< · Aram Lintzel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .130
>Film< · Susanne Schmetkamp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
>Literatur< · Peter Siller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .134
Ausverkauft
Die Zeit der universellen Käuflichkeit. . . . . . . . . .145
Vermarktlichung als Problem
Rahel Jaeggi
Kolonien der Ökonomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
Gespräch zwischen Axel Honneth, Rainer Forst und Rahel Jaeggi
Kapitalismus der Genossen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Sustainopolis. Ein Plädoyer für eine Politisierung
der globalen Ökonomie
Anna Lührmann
Ohne Klo kein blaues Gold. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165
Wasser zwischen Wirtschaftsgut und Menschenrecht
Barbara Bleisch, Regina Kreide
Sollen wir Humboldt vergessen? . . . . . . . . . . . . . 169
Zur Ökonomisierung der Hochschulpolitik
Kathrin Töns
Bildpolitik: >Vorsicht Kamera<. . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Martin Saar
Sinncontainer: >Nachhaltigkeit<. . . . . . . . . . . . . . . 174
Aram Lintzel
Schönheiten
Politik der Freundschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
"Hi Freaks" von Tocotronic
Peter Siller
Die Witwen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .178
Giorgio Agambens "Idee der Prosa"
Daniela Dröscher
Endspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .179
Wang Bings "Tiexi Qu - West of the Tracks"
Simon Rothöhler
Vorbei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
Jean-Jaques Rousseau und Peter Licht
Arnd Pollmann
Das Geschenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
Motörhead in concert
Julie Miess
Soldaten ohne Waffen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .183
Das Kino der Brüder Dardenne
Thomas Schramme
Könige der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
Kirsten Fuchs "Die Titanic und Herr Berg"
Michael Eggers
Fuck forever . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .185
Babyshambles' "Down in Albion"
Ric Graf
Die Auserwählte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186
10 Jahre "Buffy - The Vampire Slayer"
Miriam Stein
Bunte Filter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .187
Barbara Rubins "Christmas on Earth"
Elke Buhr
Roundtable . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .192

Liebe Leserin, Lieber Leser,
Ökonomie bestimmt unser Leben. Nicht mehr nur Wohlstand und seine Verteilung, Vorstandsabfindung oder Hartz IV, auch Gesundheit, Bildung und Kunst sind »ökonomisiert«. Aber Ökonomie wird kaum als politische Frage begriffen. Manager steuern, evaluieren und verbesseren. Volkswirte analysieren. Der Sachzwang regiert. Die politische Ökonomie ist tot. Es lebe die politische Ökonomie! Der Kapitalismus wandelt sich rasend – und damit auch die Formen seiner Kritik. Wie lässt sich diese Transformation beschreiben? Für Luc Boltanski betritt neben der Sozialkritik der Arbeiterbewegung die »Künstlerkritik« die gesellschaftliche Bühne. Wenn das Leben zum »Projekt« wird, steht nicht mehr nur die Gerechtigkeit sozioökonomischer Verteilung zur Disposition, sondern die individuelle Autonomie selbst. Kann die Politik auch diesen Wandel noch gestalten? Nach Hartmut Rosa muss die Demokratie ihre Legitimität unter den Bedinungen ökonomischer Beschleunigung neu erweisen. Ökonomie ist global und existiert nur im Plural. Die wirtschaftliche Explosion Chinas und Indiens ist in aller Munde. Aber wie verläuft die Transformation anderer Regionen? Argentinien entwirft sich nach der Wirtschaftskrise neu. Im Sudan entladen sich ökonomische Konflikte in offener Gewalt. Selbst die Liebe entkommt nicht der Logik des Marktes. Nach Eva Illouz entfaltet der Konsum gerade in der Romantik seine perverse Macht und Schönheit. Liebe ohne Konsum wäre grau und leer. Gleichzeitig wird die Warenwelt romantisiert. Liebe verkauft Waschmittel, Autos und Versicherungspolicen. Wolfgang Tillmans offenbart in seiner Bildstrecke die Zerbrechlichkeit dieser Warenwelt. Ron Winkler sondiert in seinen lyrischen »Testläufen« die Ökonomie der Sprache. In den Bildern Gosbert Adlers verselbständigen sich Details zu Gegenökonomien. Unsere erste Ausgabe wurde vielfach besprochen, gelobt und attackiert. Danke für die rege und anregende Kritik, von der wir viel übernehmen. Nicht erhören werden wir allerdings den Ruf der Akademiker nach mehr Wissenschaftlichkeit, den Rat von Politikern zu mehr Pragmatismus und die Sehnsucht der Popjournalisten nach mehr popkultureller Nabelschau. Soviel Eigensinn muss sein. Für die Redaktion Peter Siller, Bertram Keller

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Cover, reprofähig

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Erscheinungstermin:
12.03.2007

kartoniert

192 Seiten, zahlr. Abb., s/w und farbig

Reihe: polar, Bd.2

EAN 9783593383439

€ 12,00

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