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»Innere Klarheit führt zur Klarheit nach außen.« Claudia Eilles-Matthiessen

Konflikte am Arbeitsplatz sind kräftezehrend. Sie kosten Zeit, Geld und Nerven. Was aber tun, wenn das direkte Gespräch unmöglich ist? Dann ist es höchste Zeit für den Konfliktnavigator! Claudia Eilles-Matthiessen zeigt uns, wie wir Konflikte systematisch lösen

Ihr Buch heißt »Es muss nicht immer reden sein«. Bedeutet das, dass Kommunikation bei Konflikten nun überflüssig ist?

Claudia Eilles-Matthiessen: Nein, natürlich nicht. Miteinander reden ist nach wie vor ein wichtiger Hebel zur Lösung von Konflikten. Aber: Dieser Hebel wird oft entweder vermieden, überstrapaziert oder unüberlegt genutzt. Das kann die Konflikteskalation sogar beschleunigen.

 

Nennen Sie uns bitte ein Beispiel

Claudia Eilles-Matthiessen: Naja, wer im akuten Affekt zum Beispiel im Zorn ein Gespräch anzettelt, tut sich und dem anderen keinen Gefallen. Er nutzt das Gespräch als emotionalen Blitzableiter und wird den Konflikt damit anheizen. Wer dagegen Angst hat oder unsicher ist, gerät leicht in die Defensive und wird die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht klar genug rüberbringen.  Ein anderer Fehler ist es, unvorbereitet in ein Gespräch zu gehen, sich also nicht zu überlegen, was man überhaupt erreichen möchte.

 

Sie empfehlen Selbstregulation als ersten Schritt zur Konfliktlösung. Was genau meinen Sie damit?

Claudia Eilles-Matthiessen:  Selbstregulation bedeutet, sich zunächst um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Körperlich und emotional. Zu überlegen, was einem wichtig ist, welche Bedürfnisse durch den Konflikt verletzt werden und welchen Anteil man vielleicht selbst am Geschehen hat. Wer bei sich selbst ansetzt, übernimmt Verantwortung und stärkt seine Unabhängigkeit. Er nimmt das Steuer wieder in die Hand, anstatt sich von anderen abhängig zu machen.

 

In welchen Situationen ist ein Gespräch zur Konfliktklärung ein guter Weg?

Claudia Eilles-Matthiessen:  Dann, wenn ich im Zuge der Selbstregulation akute Affekte wie Zorn abgebaut und die Situation auch mal aus der Perspektive des anderen betrachtet habe. Natürlich sollte ich auch bereit sein, dem anderen wirklich zuzuhören und wissen, welche Botschaft ich selbst rüberbringen will.

 

Sie haben eine Methode zur systematischen Konfliktanalyse entwickelt, den Plan C Konfliktnavigator. Warum ist es wichtig, einen Konflikt zu analysieren?

Claudia Eilles-Matthiessen: Wer die Situation mit Hilfe meiner Checklisten analysiert, wird den Konflikt besser verstehen und bereits ad hoc die eine oder andere Lösungsidee entwickeln. Er schützt sich zudem vor Aktionismus und kann besser planen, was als nächstes zu tun – oder zu lassen ist.

 

In Ihrem Buch finden sich auch zahlreiche Praxistipps. Verraten Sie uns zum Schluss einen Tipp zur Selbstregulation. Was kann ich sofort tun, wenn ein Konflikt mich gerade richtig stresst?

Claudia Eilles-Matthiessen: Nutzen Sie die großartige Möglichkeit, über die bewusste Fokussierung der Aufmerksamkeit Ihren Zustand zu beeinflussen. Konzentrieren Sie sich auf Menschen, Themen, Projekte und Pläne die Ihnen guttun und die Sie mit Freude und Energie erfüllen. Tun Sie das. Jetzt.

 

Die Autorin

Claudia Eilles-Matthiessen begleitet seit über ­15 Jahren Menschen dabei, Konflikte zu lösen, Ziele zu erreichen und ihre Kompetenzen zu entfalten. Die promovierte Psychologin ist Inhaberin von Plan C Kompetenzentwicklung in Frankfurt am Main und berät Führungskräfte und Teams aus Wirtschaft und Wissenschaft.

www.plan-c-konfliktnavigator.de

 

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29.10.2018

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Es muss nicht immer reden sein
Es muss nicht immer reden sein
Hardcover gebunden
29,95 € inkl. Mwst.