Wirtschaft und Gesellschaft

»Mein Buch ist ein Plädoyer gegen das resignierte Weiterwursteln.« Gunter Dueck

Gunter Dueck hat ein neues Buch geschrieben! In 31 Episoden serviert er die größten Sinnlosigkeitsherde in Unternehmen. Wie immer ein Lesegenuss. Mit campus.de spricht Dueck über »Keine Sinnfragen bitte!«.

Ergebnislose Meetings, falsche Entscheidungen, überbordende Bürokratie – in unserem Büroalltag geht es hoch her, aber die Ergebnisse sind unbefriedigend. In ihrem neuen Buch identifizieren sie die entzündlichsten Sinnlosigkeitsherde der Unternehmenswelt. Welche sind das?

Gunter Dueck: Sie haben ja schon einige genannt. Die werden im Buch nicht so pauschal anklagend aufgezählt, denn das kann ja jeder im Zorn. Ich habe versucht, deren Ursachen aufzuzeigen, um die Mitarbeiter und Manager konkreter bei ihrem Unsinn zu ertappen. Nur so können die Übel an der Wurzel gepackt werden, wenn man denn wirklich will. Mein Buch ist ein Plädoyer gegen das resignierte Weiterwursteln. 

 

Nervige Sitzungen, karrieregeile Kolleg:innen, Überbürokratisierung kennen viele aus Ihrem Büroalltag. Was macht die Situation derzeit so brisant?

Gunter Dueck: Schauen Sie sich um: Wir versinken derzeit im Chaos der Lieferketten und Staus. An allen Ecken fehlen Arbeitskräfte. Es herrscht hilflose Mangelverwaltung. Und trotzdem wird am Trott und vor allem an unsinnigen Vorgehensweisen festgehalten, die dem Effizienzwahn der letzten Jahre entstammen und dem Abbau aller Reserven zu verdanken sind – man hat völlig ideenlos Reserveabbau mit Vermeidung von Verschwendung verwechselt. Das Management herrscht zur Eile an. Mehr Überstunden! Die parallel zum Chaos entstehende Wissensökonomie verlangt aber Kreativität und Professionalität –- deren Mitarbeiter sind oft weit höher qualifiziert als ihre blaffenden zu hochbezahlten Chefs... Die Arbeitspsychologen predigen hier schon lange für mehr Coaching und besonders Kommunikation auf Augenhöhe. Geschieht etwas? 

 

Der Unsinn kommt von oben, sagen sie mit ihrem neuen Buch. Braucht es folglich eine »Revolution von unten«?

Gunter Dueck: Von oben gekommen? Eigentlich nicht, ja auch. Aber der Unsinn sitzt in den mit zunehmender Zeit erstarrenden Systemen - im »Immer-so-gemacht«. In Großunternehmen dreht jeder sein Rädchen, aber kaum einer versteht das System im Ganzen, kaum jemand kann es verändern. So seufzt der einstmals perfekte stationäre Handel oder der stolz perfekte deutsche Autobau: »Amazon musste sich nicht qualvoll verändern, sie fingen ganz neu an. Tesla baut einfach auf die grüne Wiese.« Vielleicht denken Sie an einen schwer Übergewichtigen, der nun gesund leben will. Er muss sein Leben völlig neugestalten. Diese Anstrengung wird einem Dünnen nicht abverlangt.

 

Was wäre aus Ihrer Sicht der erste Schritt zur Besserung?

Gunter Dueck: Diese Frage wird immer gestellt, aber ich beantworte sie nicht gern. Ich fühle, dass Sie so etwas hören wollen: »Beginnen Sie mit einer einwöchigen Gurkendiät.« Nein! Der erste Schritt ist das tiefe Erschrecken beim Verstehen des vollen Ernstes der Lage. Die alten Systeme müssen neuerfunden werden. Das sagt sich leicht, aber es muss erschrocken erkannt werden.

 

Wem möchten Sie Ihr Buch gern auf den Schreibtisch legen?

Gunter Dueck: Gute Frage. Was ich möchte, ist eines. Was geschieht, ein anderes. Ich bekomme oft Leserbriefe, dass diejenigen, die meine Bücher lesen sollten, gerade die sind, die es nicht tun. Entscheider kaufen bei Beratern »Gurkendiäten«. Sie lesen eben nicht meine Einlassungen zum wahren Problem. Da bin ich an einer Stelle im Buch zornig mit der Tastatur entgleist und habe ein paar Seiten unter dieser Überschrift kommentiert: »Wenn der Chef nicht weiterweiß, kauft er sich Beraterscheiß.« Verstehen Sie das bitte richtig: Ich greife nicht die Gurkenlieferanten an, sondern deren Käufer.

Was erreichen meine Bücher? Viele Leser bekommen Argumente und Gedanken, über die Probleme um sie herum viel konkreter zu reden. Sie sind nun auf Debatten gegen Sinnloses besser vorbereitet. Und so kommen meine Einlassungen in schwächerer Form doch noch da an, wo sie hinsollen. 

 

 

15.09.2022

 

Keine Sinnfragen, bitte!
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